Erst ging Andreas Wolff mit gesenktem Kopf an den Mikrofonen vorbei – widerwillig machte er dann aber doch kehrt, um sich seinen Frust von der Seele zu reden.

„Wir standen zum zweiten Mal im Finale und haben zum zweiten Mal ein gutes Spiel geliefert. Aber zum zweiten Mal haben wir verloren und wieder nur Silber um den Hals“, ärgerte sich der deutsche Torwart von Barlinek Industria Kielce nach der bitteren Final-Niederlage in der Champions League gegen den SC Magdeburg.

Schon im vorherigen Jahr fand sich Wolff in der selbigen Situation, als er mit dem polnischen Rekordmeister gegen den FC Barcelona im Endspiel den Kürzeren zog, damals in einem dramatischen Siebenmeter-Krimi.

„Ich bin leer, ich bin sauer, ich bin enttäuscht“, fasste Wolff seine Gefühlslage nach der erneuten Niederlage im Endspiel schließlich bei DAZN zusammen. „Wir haben wieder ein tolles Finale gezeigt, haben leider wieder gegen eine Top-Mannschaft verloren.“

Wolff trotz 14 Paraden: „Hätte einfach zwei Bälle mehr halten können“

Dem deutschen Europameister-Keeper von 2016 blieb damit einmal mehr die Krönung seiner Karriere als Vereinshandballer verwehrt: Zwar stehen in seiner Bilanz mehrere Meistertitel und Pokalsiege und auch der EHF-Cup 2019 mit Kiel. Der Champions-League-Titel aber fehlt in Wolffs Bilanz – beim Kieler Triumph 2020 war er schon nach Kielce gewechselt.

Statt dort nun erstmals in seiner Karriere die wichtigste europäische Vereinstrophäe in die Höhe zu stemmen, blieb Wolff bei der Pokalvergabe beim Final Four in Köln erneut nur die Zuschauerrolle.

„So ist der Sport, ich hätte einfach zwei Bälle mehr halten können, dann hätten wir mit einem gewonnen“, sagte er, obwohl er sich mit starken 14 Paraden gegen die Magdeburger auflehnte.

Trotz des Sieges lobte deswegen auch Magdeburgs Linksaußen Lukas Mertens seinen Nationalmannschaftskollegen. „Der große Faktor stand im Tor bei Kielce: Er hat uns bei der Weltmeisterschaft öfter mal den Arsch gerettet, jetzt hier im CL-Finale echt gut performt. Wir haben aber nicht aufgegeben.“

Doch erneut sollte das nicht ausreichen, auch weil der SCM sich nach einem zwischenzeitlichen Vier-Tore-Rückstand wieder in die Partie kämpfte und eine Verlängerung erzwangt, in der die Truppe um Kay Smits (8 Tore) und den trotz einer ausgekugelten Schulter zurückgekehrten Gisli Kristjansson (6 Tore) schlussendlich siegreich vom Platz ging.

Wolff zollt Magdeburg Respekt: „Fantastische Mannschaft mit einem riesigen Charakter“

„Herzlichen Glückwunsch an den SCM, das haben sie wieder fantastisch gemacht“, zollte Wolff seinen Gegnern Respekt: „Der SCM ist eine fantastische Mannschaft mit einem riesigen Charakter. Den haben sie heute wieder gezeigt, deswegen haben sie mit einem Tor gewonnen.“

Für Wolff bleibt nun nur übrig, einen nächsten Anlauf für seinen großen Traum zu nehmen. Sein Vertrag in Kielce, wo in diesem Jahr wegen finanzieller Schwierigkeiten viel Ungewissheit herrschte, läuft noch bis 2028 – als polnischer Meister ist der Klub erneut für die Königsklasse qualifiziert.

„Der Trainer wird das in der Sommerpause aufarbeiten und dann müssen wir eben schauen, dass wir wiederkommen und das Finale wieder spielen und, dass wir dann vielleicht beim dritten Mal gewinnen können“, sagte er über die anstehende Sommerpause und betonte abschließend, wie knapp es auch in diesem Jahr wieder war. „Wir sind zum zweiten Mal in Folge im Finale gescheitert mit einem Tor, obwohl wir in der letzten Aktion auch den Ballbesitz haben und ja: Es tut weh!“

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)