Man sah diesem 16 Jahre jungen Kerl an, dass er am liebsten im Boden versunken wäre.
Zweimal hatte Iker Bravo, der neue Rekord-Youngster von Bayer Leverkusen, den Ausgleich auf dem Fuß, der die Werkself in die Verlängerung gebracht und vermutlich die Blamage im DFB-Pokal gegen den Karlsruher SC (1:2) verhindert hätte. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan des DFB-Pokals)
Doch anstelle beim Profi-Debüt zum Retter zu avancieren, musste das spanische Supertalent von seinen Teamkollegen aufgebaut werden.
Seoane macht Bravo zu Leverkusens Rekord-Spieler
Aber der Reihe nach: Leverkusen lag in der 77. Minute des Zweitrundenspiels gegen den Zweitligisten im eigenen Stadion mit 1:2 zurück, als Trainer Gerardo Seoane personell noch einmal alles riskierte.
Er brachte Daley Sinkgraven anstelle von Mitchel Bakker und – ein historischer Wechsel – Iker Bravo für Paulinho. Damit löste der Stürmer mit 16 Jahren und 287 Tagen Florian Wirtz wettbewerbsübergreifend als jüngsten Bayer-Profi der Vereinsgeschichte ab. Er war erstmals seit seinem Transfer aus der Jugend des FC Barcelona im vergangenen Sommer in den Kader berufen worden.
Lediglich zwei Minuten später stand Bravo dann schon im Mittelpunkt des Spielgeschehens. Moussa Diaby legte dem Youngster den Ball nach einem starken Dribbling mustergültig vor, selbst KSC-Torwart Marius Gersbeck war bereits geschlagen und Bravo hatte aus etwa sieben Metern Torentfernung freie Schussbahn. (DFB-Pokal: Bayer Leverkusen – Karlsruher SC zum Nachlesen im TICKER)
Doch der Rechtsfuß, der bislang ausschließlich in der U19 des Bundesligisten zum Einsatz gekommen war, setzte den Ball über das leere Tor. Er sank sofort zu Boden und schlug die Hände über dem Kopf zusammen.
Bravo vergibt Ausgleich gegen KSC in der Nachspielzeit
Damit war das Drama aber noch nicht vollkommen. Leverkusen rannte weiter bis zum Abpfiff an. In der fünften Minute der Nachspielzeit hatte Bravo dann noch einmal die Chance, den Ausgleich zu erzielen.
Das Leder gelangte in der Nähe des Elfmeterpunkts an seinen Fuß. Der 1,84-m-Schlaks nahm Maß, zirkelte den Ball jedoch knapp rechts über das Tor. Es war die letzte Szene der Partie, danach stand die Blamage der Werkself gegen den KSC fest. (NEWS: Alle aktuellen Infos zum DFB-Pokal)
Bravo wirkte nach dem Abpfiff untröstlich. Ihm stand der Schock ins Gesicht geschrieben, er schien den Tränen nahe. Sein Profi-Debüt hatte sich der 16-Jährige sicherlich ganz anders vorgestellt.
Unglaubliches Tor für Bayer in der U19-Bundesliga
Dabei war es überhaupt nur notgedrungen zum ersten Auftritt des Teenagers aus La Masia gekommen. Da mit Patrik Schick, Lucas Alario und Karim Bellarabi drei offensive Leistungsträger verletzungsbedingt fehlten, blieb Seoane im Prinzip gar nichts anderes übrig, als Bravo zu berufen.
„Er hat eine gute Ausbildung, gute Technik, gute Abläufe. Also viele sehr gute Anlagen“, hatte der Coach im September über sein Juwel gesagt.
Dass er wirklich etwas drauf hat, hatte er kürzlich in der Junioren-Bundesliga bewiesen. Dort erzielte der bei Bayers 3:1-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf ein unfassbares Tor per Fallrückzieher.
Bis er bei den Profis glänzt, muss Bravo wohl erstmal den bitteren Pokal-Abend verdauen. Das dürfte für den Youngster schwer genug werden.