Italienische Mannschaften sind unangenehm. Sie sind abgezockt, sie sind Meister im Provozieren und im Zeitspiel. Keiner spielt gern gegen sie. So lautet zumindest das Klischee.
Thomas Müller sieht das vor dem Viertelfinal-Klassiker (Sa., ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) anders.
„Ich bin kein Freund von Klischees, sondern von Tatsachen und Beobachtungen, die man selbst gemacht hat“, sagt Müller zu SPORT1.
„Ich spiele immer gerne gegen italienische Mannschaften, weil die Spieler immer gute Typen und Sportsmänner sind“, erklärt der Bayern-Star bei einer Interviewrunde mit mehreren Medien in Evian.
Als er von SPORT1-Reporter Jochen Stutzky nach den Stärken der italienischen Abwehr gefragt wird, spart Thomas Müller nicht mit Lob, rückt aber einiges zurecht.
Müller: Italiener „immer freundschaftlich“
Italienische Spieler seien „vor und nach dem Spiel immer sehr freundschaftlich. Auch wenn es in Zweikämpfen mal gerumpelt hat, wird einem immer wieder aufgeholfen.“ So soll es sein, findet Müller.
Die althergebrachten Stereotypen über italienische Spieler stimmen also nicht.
Weltmeister Thomas Müller verdrückte nach dem Ausscheiden im EM-Halbfinale 2012 gegen Italien ein paar Tränen. Das soll dieses Mal nicht der Fall sein.
„Es ist nicht so, dass sich italienische Spieler in jeder Situation fallenlassen. Man sagt ihnen eine gewisse Cleverness nach, auch mal in die Grauzone des Erlaubten zu gehen“, erklärt Müller.
„Ich verlange ja auch nicht von meinen Mitspielern und mir selbst, dass wir zum Einwurf sprinten, wenn wir 1:0 führen und noch zwei Minuten zu spielen sind. Das gehört alles im Rahmen zum Fußball dazu.“
Müller räumt mit Catenaccio auf
Italiener sind die Meister des Catenaccio, des Mauerns. Noch so ein Italien-Klischee, das Müller nicht gelten lässt.
„Es hat ja nie gestimmt, dass die Italiener nur Abwehr können. So einer wie Andrea Pirlo war ja auch eher ein feines Füßchen als von der Abteilung Rasierklinge“, entgegnet der Weltmeister. „Jedes Team, das hier bei der EM gewinnen will, muss irgendwann nach vorne kommen. Die Italiener genauso wie wir.“
Joachim Löw hält vor dem EM-Viertelfinale gegen Italien nichts von der Panikmache aufgrund der erfolglosen Vergangenheit beim Klassiker aus deutscher Sicht. Der Bundestrainer will Espresso statt kalten Kaffee.
Italiens Abwehr sieht er „nicht als undurchdringbar“ an, schließlich habe er mit Bayern in der Champions League gegen Juventus Turin selbst zwei Tore gegen dieselben Spieler erzielt, die auch in Italiens Abwehr stehen.
Respekt hat Müller vor Italiens Offensive.
Müller mit Respekt vor Offensive
„Sie haben ihr System, sie haben Automatismen, bei ihnen ist klar, es gibt immer mal wieder diesen Signalball, wenn er von außen in die Mitte auf den Sechser kommt. Der chippt ihn direkt Richtung Stürmer. Sie wissen Bescheid, das ist kein Zufallsball, sondern das trainieren sie immer wieder“, erklärt Müller die Taktik des Viertelfinal-Gegners.
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„Dann haben sie in Pelle einen sehr starken Stürmer, der wirklich mit den hohen Bällen was anfangen kann. Und daneben Eder, der wirklich pfeilschnell ist. Also sie haben Qualitäten, und die bringen sie voll ein. Und deswegen wird es ein heißer Tanz.“
Das Klischee vom Italiener als Spielzerstörer, es ist kalter Kaffee. Wie sagte schon Bundestrainer Joachim Löw kürzlich in Evian: „Mir ist ein heißer Espresso lieber.“