„Je größer ein Spieler ist, desto sensibler ist er. Er braucht Zuspruch, er braucht Lob.“

Dieser Satz stammt von Franz Beckenbauer und bezieht sich auf das Verhältnis zu seinem ehemaligen Trainer Udo Lattek. Der im Januar verstorbene Lattek verstand sich im Umgang mit Stars. Er wusste, wie sie ticken und wie er man mit ihnen umgeht.

Beckenbauers Ausspruch ließe sich auch auf Mario Götze übertragen. Der 23-Jährige hat enormes Potenzial, doch damit er es abrufen kann, muss ein Trainer den richtigen Ton finden.

„Zeige der Welt, dass du besser bist als Messi“, soll Joachim Löw dem Offensivspieler im WM-Finale vor seiner Einwechslung ins Ohr geflüstert haben. Wie die Sache in Rio de Janeiro ausging, ist bekannt.

Große Wertschätzung durch Löw

Götze schoss Deutschland zum WM-Titel. Ob es am Vergleich mit Messi gelegen hat, lässt sich nicht belegen. Doch die Worte des Bundestrainers sind ein überdeutlicher Ausdruck seiner Wertschätzung. Besser als der beste Spieler der Welt. Mehr geht nicht.

Wenn Löw über Götze spricht, gerät er häufig ins Schwärmen. Auch am Sonntag in Glasgow stellte der Bundestrainer auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Schottland die Vorzüge des 23-Jährigen heraus, lobte seine überragende Technik und sein Orientierungsvermögen auf engstem Raum. Er sprach von ihm wie ein Lehrer über seinen Lieblingsschüler.

Der DFB-Coach vertraut Götze bedingungslos. Er redet mit ihm. Er gibt ihm Selbstvertrauen. „Ich habe mehrere Gespräche mit Mario geführt“, verriet er: „Ich habe ihm gesagt, er soll das bei Bayern durchstehen und kämpfen.“

Schwerer Stand beim FC Bayern

Beim FC Bayern hatte Götze in den vergangenen Monaten keinen leichten Stand. Was natürlich auch an der Zusammenstellung des Münchner Kaders liegt. „Bei Bayern ist die Konkurrenz auf der Position größer als bei uns“, erklärte Löw.

In der Nationalmannschaft stand der Ex-Dortmunder als einziger Akteur seit dem WM-Finale in jedem Pflichtspiel in der Startelf, in München kam er häufig nur zu Joker-Einsätzen.

Chefcoach Pep Guardiola schenkt ihm nicht das Vertrauen wie es der Bundestrainer macht. Und redet offenbar auch nicht so viel mit ihm.

Wie ein Schrei nach Liebe

Beim Audi Cup Anfang August wurde Götze von SPORT1 die Frage nach der Kommunikation mit Guardiola gestellt – und ob er denke, dass sein Trainer öfter mit ihm sprechen würde.

Seine Antwort: „Es wird sich herausstellen, ob der Trainer öfter mit mir spricht.“ Es klang wie ein Schrei nach Liebe – auch wenn Götze am nächsten Tag erklärte, seine Aussage sei neutral und keine Kritik an Guardiola gewesen.

Der Spanier gilt jedoch als nicht immer einfach im Umgang mit seinen Stars, was in Barcelona selbst Lionel Messi zwischenzeitlich erfahren musste.

Löw hat das richtige Händchen

Löw hingegen versteht es perfekt, sensible Stars behutsam anzufassen und das Optimum aus ihnen herauszuholen.

So war es auch bei Lukas Podolski, der bei Bayern unter Felix Magath kaum ein Bein auf den Boden bekam, in der Nationalmannschaft aber regelmäßig auf dem Platz stand und Tore schoss.

„Achtsamkeit im Umgang mit mir extrem wichtig“

Götze ist jemand, der immer das Maximum anpeilt. Ein Vollprofi, der 24 Stunden am Tag an Fußball denkt. Sagt er. Sagen aber auch seine Mitsipeler, Wegbegleiter und Beobachter. Doch er ist auch jemand, der gehegt und gepflegt werden will.

Es passt gut ins Bild, dass der 23-Jährige als prominenter Partner des Vereins „Nestwärme“ auftritt. „Achtsamkeit im Umgang mit mir und innere Stärke sind für mich extrem wichtig“, wird er auf der Homepage der Organisation zitiert, die sich für Familien mit behinderten, schwer oder unheilbar kranken Kindern einsetzt.

Beim FC Bayern scheint Götze zuletzt nicht ausreichend Nestwärme bekommen zu haben. Es sei „nicht so leicht, wenn man öffentlich immer wieder aufs Neue so ein bisschen bei seinem Verein in Frage gestellt wird“, sagte sein Teamkollege Thomas Müller der Bild.

Für Felix Magath sind Götzes Tore beim 3:1 gegen Polen auch der Situation geschuldet. „Er war in Dortmund Superstar, kam dann zum FC Bayern – und dort gehen bekanntlich die Uhren ein bisschen anders“, sagte Magath im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1: „Er wollte seinem Vereinstrainer zeigen, was er kann – und das ist ihm gelungen.“

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