Hansi Flick nahm Timo Werner zur Seite. Mehrere Minuten lang sprach der Bundestrainer am Dienstag auf Trainingsplatz 6 am Volksparkstadion in Hamburg mit dem Stürmer.
Flick stellte sich mit dem Rücken vor Werner, zeigte Laufwege an und gestikulierte mit den Händen. Danach gab Flick seinem Sorgenkind einen Klaps auf den Hinterkopf.
„Ich merke, dass er mit mir arbeiten will, mir helfen will und mir Vertrauen gibt“, sagte Werner am Mittwoch in einer kleinen Medienrunde auf SPORT1-Nachfrage. „Hansi zeichnet es aber insgesamt aus, dass er zu allen Spielern sehr nahe ist.“
Worüber Flick mit Werner sprach
Worüber sprach Flick in der eingangs beschriebenen Szene eigentlich mit Werner? „Es ging darum, wie man sich in bestimmten Situationen verhält auf dem Platz, wenn man den Ball offen bekommt oder mit dem Rücken zum Tor“, erklärt der Ex-Leipziger, der im vergangenen Jahr für über 50 Millionen Euro zum FC Chelsea gewechselt war.
Dieses angesprochene Vertrauen hat er in den vergangenen Wochen im Verein nicht immer gespürt. Auf erst 298 Minuten in sechs Premier-League-Spielen kommt Werner in dieser Saison. Blues-Coach Thomas Tuchel ließ den Angreifer gegen Arsenal, Liverpool und Villa kaum ran (nur neun Einsatzminuten insgesamt). Am Wochenende erzielte Werner beim 3:1-Sieg gegen Southampton sein erstes Ligator.
„Die letzten Wochen bei Chelsea waren schwierig“, gesteht der gebürtige Stuttgarter. „Nach langen Jahren war ich plötzlich etwas hintendran und musste mich wieder rankämpfen. In einer Karriere hat man aber immer Aufs und Abs. Ich lerne immer besser, damit umzugehen. Ich muss mich neu reinbeißen, entsprechend gebe ich im Training Gas. Natürlich wünsche ich mir mehr Spielminuten.“
Bierhoff: „Hansi glaubt an Timo“
Beim DFB bekommt er diese. Unter Flick, der Werner einst schon zum FC Bayern holen wollte, blüht der Stürmer auf. In den drei Länderspielen im September gegen Liechtenstein (2:0), Nordmazedonien (6:0) und Island (4:0) kam Werner je über 90 Minuten zum Einsatz und traf in jedem Spiel. „Ich bin sehr zufrieden, dass ich so viel spielen konnte“, sagt er. „Die drei Spiele haben mir gutgetan. Das ist auch für mich eine Art Neustart.“
Timo Werner stellt sich offenbar ein Ultimatum. Das berichtet jedenfalls der englische Telegraph.
Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff findet, dass das DFB-Team „auch eine Chance“ für Werner sein kann. „Gerade als Stürmer geht es rauf und runter“, sagte Bierhoff auf SPORT1-Nachfrage. „Hansi glaubt an Timo und hält große Stücke von ihm. Die Nationalmannschaft soll eine Familie sein, die neues Selbstvertrauen gibt und die den Spielern, die es in den Vereinen vielleicht schwierig haben, neues Selbstvertrauen gibt.“
Die vielen Fehlschüsse aus der Vergangenheit und die 16 aberkannten VAR-Treffer in dieser Saison hat Werner abgehakt. „Ich habe das Gefühl, dass bei mir die Fehlschüsse mehr gezählt werden als Tore“, sagte er. „Ich lasse mich davon aber nicht verrückt machen.“
Sein Blick geht nun nach vorne. Die Chancen stehen gut, dass Flick den 25-Jährigen auch am Freitag gegen Rumänien wieder in die Startelf beordert. Im Sturmzentrum, flankiert von den Bayern-Stars Serge Gnabry und Leroy Sané, könnte Werner weiterhin Selbstvertrauen tanken. „Ich glaube, jeder spielt jetzt auf seiner besten Position“, freut sich Werner. „Für unser Spiel ist es gut, dass jeder seine Position hat und jeder weiß, was er für Aufgaben hat.“