Füße hochlegen, Karten zocken, schlafen.
Nach seinem Gala-Auftritt zum EM-Auftakt ließ es Kai Häfner ruhig angehen. „Akkus aufladen“ lautete das Motto der deutschen Handballer am spielfreien Samstag.
Mit Österreich wartet am Sonntag (Handball-EM 2022: Deutschland – Österreich, ab 18.00 Uhr im SPORT1-Liveticker) bereits die nächste EM-Prüfung auf das Team von Bundestrainer Alfred Gislason. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der Handball-EM)
Handball-EM: Häfner warnt vor Selbstzufriedenheit
„Wir haben eine ausgeglichene Gruppe, in der du in jedem Spiel abliefern musst. Ansonsten kann das nach hinten losgehen“, warnte Häfner vor Selbstzufriedenheit, versprach aber weitere „60 Minuten Vollgas“. (DATEN Tabellen der Handball-EM)
Gislason betonte: „Wir wollen unbedingt diese beiden Punkte und das Spiel gewinnen.“
Mit den bisher erreichten zwei Zählern könne man schließlich „auch ausscheiden. Wir wissen, dass alles sehr eng ist in dieser Gruppe.“
Letzter deutscher Vorrundengegner sind dann am Dienstag (Handball-EM 2022: Polen – Deutschland, ab 18.00 Uhr im SPORT1-Liveticker) die Polen, die Österreich am Freitagabend 36:31 besiegten.
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Gislason adelt Häfner: „Riesenspiel gemacht“
Der gute Turnierstart mit der deutlichen Leistungssteigerung gegen Belarus (33:29) sorgte für einen weiteren Stimmungsschub im deutschen Lager. Vor allem die Vorstellung Häfners.
Der Europameister von 2016 dirigierte das DHB-Orchester wie ein ausgebuffter Konzertmeister, gab im Angriff Spieltempo und -rhythmus vor.
So war Gislason noch am Samstag voll des Lobes über seinen Taktgeber, der neben seinen acht Treffern auch als Vorlagengeber glänzte: „Kai hat ein Riesenspiel gemacht.“
Häfner einer der Go-To-Guys im Team
Häfner selbst nahm das Bohei um seine Person gelassen zur Kenntnis. (NEWS: Alles Wichtige zum Handball)
„Das darf man alles nicht so hoch kochen“, sagte der Rückraumspieler in die vielen Kameras und Mikrofone, von denen er am Samstag vor dem Teamhotel im Herzen Bratislavas umringt wurde.
„Ich bin jetzt ein paar Jährchen dabei und weiß, dass es morgen Abend schon wieder ganz anders aussehen kann.“
Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass Häfner bei der EM eine Schlüsselrolle zukommen dürfte. Nach den Absagen etlicher Stammkräfte im Vorfeld des Turniers gehört der Melsunger plötzlich zu den Go-To-Guys im Team.
Das deutsche Team startet am Freitag in die Handball EM 2022 in der Slowakei. Die Nationalmannschaft tritt mit einer Mannschaft bestehend aus vielen "jungen Wilden" an.
Häfner mit Wiencek der Oldie der Mannschaft
Häfner scheint das zu beflügeln, in Abwesenheit von Fabian Wiede (private Gründe) und Steffen Weinhold (DHB-Karriere beendet) sprüht er vor Spielfreude – und lässt sich selbst von seinem Alter nicht bremsen.
„Mit Patrick Wiencek bin ich nun tatsächlich so ein bisschen der Oldie in der Mannschaft“, erklärte er im Gespräch mit SPORT1, fügte jedoch auch hinzu: „Aber am Ende kommt es ja darauf an, wie man sich fühlt in seinem Alter (Häfner ist 32, Anm. d. Red.).“
Vielmehr sieht sich der Spieler der MT Melsungen aufgrund seines Alters in einer besonderen Verantwortung. „Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass das Team erfolgreich ist“, stellte er vor dem Turnier hohe Ansprüche an sich selbst.
Dabei müsse ihn der Bundestrainer auch nicht extra anspornen: „Ich bin ja schon ein paar Jährchen dabei, da weiß ich, was auf mich bei so einem Turnier zukommt.“
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DHB-Team: Gislason findet lobende Worte
Diese Worte kommen beim Bundestrainer gut an, weiß der Isländer doch, dass Häfner vor allem nach den Olympischen Spielen mit sich selbst gehadert hatte.
„Er war bei Olympia von sich selbst enttäuscht“, sagte Gislason: „Jetzt freut es mich riesig, dass er nicht nur in diesem Spiel sehr gut gespielt hat.“
Schon bei der erfolgreichen EM-Generalprobe gegen Olympiasieger Frankreich hatte der 32 Jahre alte Routinier überragt.
Zu Gute kommt ihm dabei sicherlich der taktische Kniff Gislasons, dass Debütant Christoph Steinert ihn in der Abwehr auf der halben Position entlastet, während Häfner auf Außen Kräfte schonen kann.
Defensive bereitet bei Deutschland noch Sorgen
Will das deutsche Team ein erfolgreiches Turnier spielen, gibt es aber noch ein paar Baustellen.
Besonders in der Defensive taten sich im ersten Durchgang gegen Belarus zu große Lücken auf, in der Statistik der beiden Torhüter Andreas Wolff und Till Klimpke stand zur Pause gerade einmal eine Parade.
„18 Gegentore sind viel zu viel“, monierte Kapitän und Abwehrchef Johannes Golla. Die Defensive solle schließlich „unser Prunkstück sein“.
Häfner hingegen sieht die Torhüterposition als eine Stärke im deutschen Team, da sich alle in ihren unterschiedlichen Stilen perfekt ergänzen würden. Daher sei es egal, „wer da hinten drinsteht, er genießt unser volles Vertrauen“, erklärte er bereits vor dem Turnier bei SPORT1.
Youngster müssen ins Turnier finden
Zudem gilt es gegen die schwächer einzuschätzenden Österreicher, auch die unerfahrenen Spieler mehr einzubinden. Akteure wie Sebastian Heymann und Klimpke, aber auch Youngster Julian Köster und Luca Witzke könnten im weiteren Verlauf noch sehr wichtig werden.
„Wir müssen jetzt alle Leute ins Turnier bringen“, forderte Golla.
Gislason kündigte für das zweite Gruppenspiel einige Wechsel an. „Wenn man im Zwei-Tage-Rhythmus spielt, muss man den einen oder anderen wechseln“, so der Isländer.
Sorgen bereitet ihm das nicht: „Wir sind eine Mannschaft, in der jeder einen guten Tag haben kann. Von daher sehe ich kein großes Risiko, auf vielen Positionen zu wechseln.