Der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann (61) hat die DFB-Elf um Kapitän Joshua Kimmich vor politischen Gesten bei der anstehenden Fußball-WM (11. Juni bis 19. Juli) gewarnt. Er hoffe, dass „wir unsere Lektion“ aus Katar „gelernt haben“, sagte Klinsmann, der in den USA lebt, in einem Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Du wirst nicht Weltmeister, wenn du hierherkommst und irgendwelche gesellschaftspolitischen Themen rauf und runter diskutierst. Dann fliegst du früh nach Hause“.
Bei der WM in Katar hatten sich die Nationalspieler beim obligatorischen Mannschaftsfoto vor dem Anpfiff des ersten Gruppenspiels gegen Japan die Münder zugehalten, um gegen den Weltverband FIFA zu protestieren. Dieser hatte damals die „One Love“-Kapitänsbinde verboten. „Da wusste ich schon, dass diese WM brutal in die Hose gehen wird. Das war absolut respektlos gegenüber dem Gastgeber“, sagte Klinsmann.
Angesichts der aktuellen Kriege und gesellschaftspolitischer Krisen in den USA gibt es auch vier Jahre nach Katar wieder eine Debatte um ein WM-Gastgeberland. Natürlich sehe er „auch die Probleme, verstehe die Kritik“, sagte Klinsmann: „Dennoch sollten wir uns bei dieser WM auf das Wesentliche besinnen. Auf den Fußball. Und Respekt gegenüber den Gastgebern zeigen, zu denen ja auch Mexiko und Kanada gehören. Wir haben leider die Tendenz entwickelt, andere Länder zu beurteilen, obwohl wir sie in Wahrheit gar nicht kennen. Wir spielen uns auf als oberster Richter der Welt. Auch den Russen haben wir 2018 nicht gegönnt, dass sie eine gute WM organisieren können. Ich war dort. Und es war fußballerisch ein absolutes Topturnier.“