DAS SPIEL: Wer’s nicht gesehen hat: 1:0 für Paraguay durch Julio Enciso (42.) – völlig allein gelassen beim Kopfball. Ausgleich durch Kai Havertz (54.), auch per Kopfball. Deutschland dann überlegen, trotzdem Verlängerung – und ein Treffer per Kopf, diesmal durch Jonathan Tah (102.). Referee Jalal Jayed aus Marokko sagt: Sah alles okay aus, trotz eines Gerangels zwischen Waldemar Anton und Torhüter Orlando Gill. Die VAR Tatiana Guzmán aus Nicaragua aber sieht offensichtlich eine klare Fehlentscheidung, der Treffer wird zurückgenommen. Also: Elfmeterschießen. Gill hält gegen Havertz und Woltemade, aber auch zwei Paraguayer patzen. Antonio Sanabria verschießt, Manuel Neuer hält den vermeintlichen Sieg-Schuss von Fabián Balbuena. Alles wieder offen. Dann schießt Tah über das Tor – und José Canale trifft.

DER BUNDESTRAINER: Seine Zukunft? Bundestrainer Julian Nagelsmann ist nach dem Spiel eindeutig in seiner Aussage. „Ich stehe bereit, wenn man das möchte, und wenn man mich nicht möchte, muss man mir das sagen. Ich bin keiner, der wegläuft.“ Sein Vertrag läuft bis 2028.

DER SPORTDIREKTOR: Rudi Völler spielt auch diesmal den Bodyguard für Nagelsmann. „Ich bin überzeugt, dass er wahrscheinlich der Richtige ist, um weiterzumachen. Natürlich bin ich nicht der DFB alleine, habe das nicht alleine zu entscheiden“, sagt der Sportdirektor: „Ich weiß, dass er ein Kämpfer ist, dass er sich schnell gesammelt hat und wieder angreifen will.“ Gespräche soll es in den kommenden Tagen geben.

DER SCHATTENMANN: Jürgen Klopp weiß, dass die Frage kommen muss, zumindest andeutungsweise. Ob er zur Verfügung stünde? „Ich verstehe das“, sagt der Schattenmann mit dem MagentaTV-Mikrofon in der Hand, „dass wenn über den Bundestrainer gesprochen wird, mein Name genannt wird. Aber es ist nicht der Moment, um darüber wirklich zu sprechen. Und vor allem nicht mit mir. Das ist eine Kuriosität, dass ich hier stehe. Aber es gibt dazu nichts zu sagen.“

DER KAPITÄN: Joshua Kimmich kann es irgendwie nicht fassen. „Ich kenne Deutschland als Kind vor dem Fernseher, da war immer Halbfinale, Finale.“ Und: Die Spieler müssten Verantwortung übernehmen, „weil wir Spieler, die auf dem Platz standen, haben das verbockt. Das war nicht der Trainer, nicht die Medien, nicht der Schiedsrichter, auch nicht der Gegner, sondern das waren einzig und allein wir.“ Er selbst will auch weitermachen: „Was ich niemals tun werde, ist aufgeben.“

DER SPRUCH: „Das ist nicht mehr Fußball-Deutschland.“ (Jürgen Klopp bei MagentaTV)

DER REKORDWELTMEISTER: Stimmt, es gab ja am Tag der deutschen Bruchlandung in Boston (a.k.a. Fiasko in Foxborough, Vorort von Boston) noch zwei andere dieser neuen Sechzehntelfinals. Und da zeigt erst mal der Rekordweltmeister, dann man nach einem Rückstand auch gewinnen kann – zur Not auch in der letzten Minute der Nachspielzeit. Japan geht in Führung durch Kaishu Sano (29.), Casemiro gleich aus (56.) – und Gabriel Martinelli trifft zum Sieg (90.+5). Und Neymar hat nicht mal mitgespielt.

DER MÜNCHNER: Es wäre eine wirklich schöne Geschichte gewesen. Cody Gapko, der vor wenigen Tagen sein ungeborenes Kind verloren hatte, schoss die Niederlande gegen Marokko zunächst in Führung. Die ganze Mannschaft, alle auf der Bank, stürmten auf ihn zu, erdrückten ihn fast. Doch der WM-Vierte aus Nordafrika schlug zurück, in der ersten Minute der Nachspielzeit, durch Issa Diop. Verlängerung, Elfmeterschießen. Zwei Marokkaner verschossen, drei Niederländer. dann kam der künftige Münchner Ismael Saibari – und verwandelte eiskalt. Auch eine schöne Geschichte.