Sein Traumtor war ein Highlight dieser WM und wird es auch bleiben: Wilson Isidors Kanonenschlag mit 126 km/h verhalf Haiti zwar nicht zum Sieg, nicht einmal zum ersten WM-Punkt, und dennoch machte er ein ganzes Land glückselig. Aus gut 25 Metern mit dem Vollspann abgezogen, schlug der Ball wunderschön im Winkel ein. Und der Fußball-Zwerg, die Nummer 83 der Welt, führte in der 43. Minute plötzlich gegen Marokko, den Halbfinalisten von 2022. Schon zum zweiten Mal in diesem Spiel.
Mit seinem sensationellen Schuss traf der Stürmer vom Premier-League-Klub AFC Sunderland zum 2:1, und obwohl er mit seiner Mannschaft in Atlanta auch sein drittes WM-Gruppenspiel letztlich 2:4 (2:2) verlor, konnte sich Isidor nach der Begegnung mit dem großen Favoriten freuen. „Heute haben wir zwei Tore erzielt, und darauf sind wir wirklich stolz“, sagte er.
Dass es die dritte Pleite in der dritten Partie setzte, sei jedoch „sehr frustrierend“, bekannte Isidor. Schon bei seiner WM-Premiere 1974 war Haiti ohne Punkt in der Vorrunde gescheitert. Dass es auch diesmal nichts mit dem Weiterkommen werden würde, hatte nach den Niederlagen gegen Schottland (0:1) und Brasilien (0:3) bereits vor dem Marokko-Spiel festgestanden.
Wie Isidor erklärte, habe der Auftritt der Nationalmannschaft des bettelarmen und von zahlreichen Krisen erschütterten Karibikstaats bei der XXL-WM in Nordamerika Hoffnung für die Zukunft gemacht. „Mit der Generation, die wir haben, bin ich zuversichtlich, dass wir wieder hier sein werden, um den ersten Punkt für Haiti bei einer Weltmeisterschaft zu gewinnen“, sagte der 25-Jährige.