Die umstrittene Begnadigung von US-Nationalspieler Folarin Balogun bei der Fußball-WM war offenbar die Entscheidung eines einzigen Funktionärs. Nach Informationen der Times setzte Mohammad Al-Kamali, Vorsitzender der Disziplinarkommission des Weltverbandes FIFA, die Sperre gegen Balogun im Alleingang zur Bewährung aus. Die 17 weiteren Mitglieder des Gremiums seien von dem Mann aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht einbezogen worden.

Die Entscheidung hatte für einen Eklat gesorgt, da Rote Karten eigentlich automatisch eine Sperre nach sich ziehen. US-Präsident Donald Trump hatte bestätigt, dass er FIFA-Präsident Gianni Infantino wegen des Platzverweises angerufen und eine Überprüfung der Sperre gefordert habe. Infantino hatte anschließend betont, dass die FIFA-Disziplinarkommission „unabhängig“ sei. Darauf habe er auch in dem Gespräch mit Trump hingewiesen.

Eine Entscheidung durch nur ein Ausschussmitglied ist in FIFA-Disziplinarverfahren nicht unüblich. Al-Kamali jedoch habe zuletzt nie als alleiniger Entscheider fungiert, so die Times. Bei wichtigen Fällen entscheiden häufig drei Ausschussmitglieder gemeinsam. Die FIFA ließ eine Anfrage zu dem Thema zunächst unbeantwortet, auch Al-Kamali reagierte auf eine BBC-Anfrage nicht.

Balogun hatte trotz der Roten Karte in der folgenden Partie gegen Belgien spielen können, die USA verloren das Achtelfinale mit 1:4. Die Disziplinarkommission hatte sich auf Artikel 27 berufen, der es der FIFA erlaubt, Sperren auf Bewährung auszusetzen.