Der Schock und die Enttäuschung über das Aus des DFB-Teams bei der Frauen-Weltmeisterschaft sitzt immer noch tief. Erstmals in der Geschichte ist die deutsche Mannschaft in der Gruppenphase einer Weltmeisterschaft gescheitert.
Künzer kritisiert schnelle Entscheidung
Dementsprechend wurde im Anschluss an das Ausscheiden eine Analyse angekündigt und Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg erklärte, dass sie die Fehler auch bei sich suchen würde.
Allerdings sprach DFB-Präsident Bernd Neuendorf nach dem folgenschweren 1:1 gegen Südkorea ihr seine Rückendeckung und Vertrauen aus. „Ich bin doch sehr sicher, dass sie mit der Mannschaft wieder die Kurve kriegen kann“, sagte er am Freitag bei einem DFB-Termin in Hanau.
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Für die ehemalige Nationalspielerin Nia Künzer sehr verwunderlich. Am Sonntagmorgen meinte sie in der ARD: „Für mich ist es widersprüchlich und auch keine Notwendigkeit gewesen, so schnell Fakten zu schaffen, wenn man davon spricht, man brauche etwas Zeit für eine Analyse und dann so schnell eine Entscheidung trifft.“
Die 43-Jährige, die 2003 Weltmeisterin wurde und seit 2019 in der Hall of Fame der DFB-Frauen steht, hätte gerne gesehen, ohne diese Entscheidung in die Analyse zu gehen, um abzuwarten, wie dann die Ergebnisse gewesen wären. Zudem kritisierte sich sie Neuendorf: „Es ist maximal unglücklich, dass der DFB-Präsident nicht vor Ort war. Für mich auch sehr widersprüchlich.“
Ihr Wunsch für die anstehende Analyse ist, dass sie „ergebnis- und lösungsorientiert ist und nicht nur im internen Kreis stattfindet.“ Künzer schlug zudem vor, möglicherweise auch eine externe Moderation dazu zu holen, um zu Ergebnissen zu kommen.
„Es gab keinen Plan A“
Die Ex-Nationalspielerin betonte hierbei allerdings auch, dass innerhalb der Mannschaft eine hohe Qualität herrsche und das Team in der Zukunft wieder erfolgreichen Fußball spielen könnte. Doch damit dies gelingt, ist die 43-Jährige der Meinung: „Es sind verschiedene Ebenen, auf denen es Konsequenzen geben muss. Zunächst muss es um das Turnier gehen und dann um das Große und Ganze.“ Künzer ist grundsätzlich der Meinung, dass Deutschland verdient ausgeschieden sei und Voss-Tecklenburg-Team im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea „verkrampft und verkopft“ gewirkt habe.
Sie stellte zugleich das Spielsystem in Frage: „Viele sprechen davon, dass es keinen Plan B gab. Mir kam es aber so vor, als hätte es kein Plan A gegeben.“ Hinzu kommt, dass sie nicht das Gefühl hatte, dass alle Puzzleteile zusammengepasst haben, um die WM erfolgreich gestalten zu können. Hierbei verwies sie auf die Stimmung im Team sowie den Ort des Quartieres in Australien.
Zu wenig Persönlichkeiten im Team
Darüber hinaus fehlten ihr Persönlichkeiten auf und abseits des Platzes. „Es gibt zwar einen Spielerrat, aber ich habe keine Spielerin gesehen, die kontinuierlich vorangeht, außer vielleicht Alex Popp.“ Für Künzer ist Torhüterin Almuth Schult eine Spielerin gewesen, die dem Team gefehlt hat. Ihrer Einschätzung nach wäre Schult jemand gewesen, die Führung übernommen hätte und eine Sprachrohr gewesen wäre – auch wenn sie nicht gespielt hätte.
Sie fügte in aller Deutlichkeit hinzu: „In den entscheidenden Moment hatten wir auf und neben dem Platz nicht die Leader, die es gebraucht hätte – auch als Gegenpol zum Trainerteam.“