Berlin. Wer am letzten Spieltag der DAIKIN Handball-Bundesliga auf taktische Defensivreihen gehofft hatte, wurde in der restlos ausverkauften Max-Schmeling-Halle eines Besseren belehrt. 9.000 frenetische Fans erlebten ein episches Offensiv-Feuerwerk, das Berliner Party-Herzen höher schlagen ließ. Durch den Erfolg distanzierten die Füchse den Nord-Rivalen aus Flensburg im Endklassement auf vier Punkte, machten den Deckel auf die Vizemeisterschaft und tüteten das begehrte Ticket für die kommende Machineseeker EHF Champions League endgültig ein.

Ein Welthandballer auf Rekordjagd: Gidsel im Rausch

Es war die ganz große Show des Mathias Gidsel. Der dänische Ausnahmekönner lieferte eine Leistung ab, die man getrost in die Kategorie „außerirdisch“ einordnen darf. Unglaubliche 18-mal netzte der Rückraum-Star ein – und das komplett aus dem Feld. Allein in den ersten 30 Minuten traf er 13-mal. Ganz nebenbei schraubte er seinen eigenen Bundesliga-Saisorrekord auf die unfassbare Marke von 317 Feldtoren.

Unterstützung auf der Anzeigetafel holte er sich von Tim Freihöfer, der vom Siebenmeterstrich eiskalte Nerven bewies und eine perfekte Quote von neun Treffern bei neun Versuchen verbuchte.

Dabei erwischte die SG Flensburg-Handewitt den deutlich schärferen Start. Die Gäste von Trainer Aleš Pajović zogen über ein schnelles 2:0 bis auf 10:5 (10.) davon. Berlin wirkte in der Deckung zunächst schläfrig. Doch die Hausherren bissen sich über emotionale Einzelaktionen zurück in die Partie. Angetrieben von Gidsels Artistik und dem klugen Auge von Nils Lichtlein schlossen die Füchse Tor um Tor auf. In der 26. Minute besorgte Lasse Andersson den vielumjubelten Ausgleich zum 18:18, ehe Gidsel Sekunden vor der Sirene den 22:20-Pausenstand markierte.

Munteres Scheibenschießen und Abschiedstränen

Auch nach dem Seitenwechsel weigerten sich beide Abwehrreihen beharrlich, am Spiel teilzunehmen. Es entwickelte sich ein wilder, hochklassiger Schlagabtausch. Flensburg egalisierte den Rückstand prompt zum 24:24, doch Berlin konterte eiskalt. Als Andersson das Ergebnis rund zwanzig Minuten vor dem Ende auf 30:26 stellte, schien die Messe gelesen. Ein folgender Zwischensprint der Flensburger brachte zwar noch einmal den Ausgleich, doch in der Crunchtime machten die Berliner die Schotten dicht.

Das lag vor allem an Keeper Dejan Milosavljev. Der serbische Schlussmann lief in seinem vorerst letzten Spiel im Fuchsbau heiß, parierte sensationell einen Siebenmeter und verbuchte insgesamt 15 Paraden. Ein wichtiger Steal von Gidsel und ein anschließender Doppelpack von Ex-Jungfuchs Matthes Langhoff brachten die Hauptstädter endgültig auf die Siegerstraße. Den emotionalen Schlusspunkt setzte Lasse Andersson, der mit seinem achten Treffer des Tages den 43:38-Endstand markierte.

Nach dem Schlusspfiff brachen in der Halle alle Dämme. Das sportliche Geschehen rückte in den Hintergrund, als Milosavljev und Andersson unter stehenden Ovationen sichtlich gerührt das Mikrofon ergriffen, um sich von den Fans zu verabschieden. Auch Lukas Herburger, Nejc Cehte und Valter Chrintz erhielten ihren gebührenden Abschiedsapplaus vor einer Kulisse, die diesen Abend so schnell nicht vergessen wird.

#NameToreWurfquote (%)7-Meter Assists2-min StrafeRote Karte
2Simon Pytlick11/16
4
Johannes Golla
4/5
5Niclas Kirkeløkke6/8
17Marko Grgić6/9
19Adin Faljic0/1
23Kent Robin Tønnesen0/0
27Aksel Horgen1/1
28
Patrick Volz
0/0
31Emil Jakobsen8/10
34
Thilo Knutzen
0/0
43Blaž Blagotinšek0/0
63Domen Novak1/3
64
Lasse Møller
1/1