Nach der fünften Disziplin hat die belgische Leichtathletik-Ikone Nafi Thiam den Siebenkampf bei der Leichtathletik-WM in Tokio entnervt aufgegeben. Ihr Trainer Michael Van der Plaetsen hat darauf mit scharfer Kritik reagiert und auch den belgischen Verband ins Visier genommen.

„Ich schäme mich, Belgier zu sein“, polterte Van der Plaetsen und fügte hinzu: „Normalerweise sage ich nichts, aber jetzt reicht es. Jeder klagt über Belgian Athletics, alles läuft schief. Das ist Hochleistungssport, keine Klassenfahrt.“

Leichtathletik-WM: Nach drei Disziplinen war Thiam noch Zweite

Da Thiam im Weitsprung am Samstagmorgen nur auf 5,99 Meter kam, fiel sie in der Gesamtwertung des Siebenkampfs weit zurück. Nach drei Disziplinen hatte sie noch auf Platz zwei gelegen.

Van der Plaetsen begründete den Rückzug mit den schwierigen Umständen. Neben der körperlichen Formschwäche sei vor allem der Clinch mit dem belgischen Verband ausschlaggebend gewesen.

„Zu 99 Prozent hängt das mit dem Konflikt zusammen, nur zu einem Prozent mit ihrer physischen Verfassung“, sagte Van der Plaetsen über Thiam, immerhin dreimalige Olympiasiegerin und zweimalige Weltmeisterin.

Thiam vom Training mit anderen Athleten ausgeschlossen

Auslöser des Zoffs von Thiam und Belgian Athletics ist ein Konflikt über Vermarktungsrechte und einen sogenannten Verhaltenskodex, den die Athletin nicht unterschreiben wollte.

Das hatte zur Folge, dass Thiam vom Training mit anderen belgischen Sportlern ausgeschlossen wurde. Außerdem bekam ihr Physiotherapeut keine Akkreditierung für die Wettkampftage und Stadien.

„In den Kabinen waren wir die einzigen ohne eigenen Physio. Trainer aus anderen Nationen kamen zu mir und entschuldigten sich für die Zustände in Belgien“, sagte Van der Plaetsen.