Auch in diesem Jahr geht kein deutscher Rennfahrer beim WM-Lauf auf dem Sachsenring an den Start, doch Stefan Bradl hat in Sachen Motorradnachwuchs ein klein wenig Hoffnung. „Ein kleiner Funke am Horizont ist Fynn Kratochwil, der ganz gute Leistungen in den Nachwuchsklassen zeigt und derjenige ist, der in naher Zukunft definitiv eine Chance bekommen müsste“, sagte der frühere MotoGP-Pilot im SID-Interview.
Der 15-jährige Kratochwil, in dieser Saison im Red Bull Rookies Cup unterwegs und Zehnter der Gesamtwertung, sei allerdings „aktuell der Einzige, der vielleicht so ein bisschen in der Lage ist, mal Fixstarter zu werden“, so Bradl. Wegen der Altersbeschränkung geht das frühestens 2029. Der Thüringer dürfte nur über eine Sonderregelung schon mit 17 in die WM, wenn er 2027 im Klassement unter die Top 3 käme.
„Die Zeichen stehen nicht allzu schlecht, aber man darf jetzt auch nicht zu viel von ihm erwarten“, meinte Bradl (36), man müsse dem Teenager die Chance geben, sich zu entwickeln. „Natürlich stürzt sich alles auf Fynn Kratochwil, weil er der Einzige ist.“
Der Moto4 Northern Cup, dessen Klassement mit Robin Siegert, Anina Urlaß und Thias Wenzel (alle 15) drei deutsche Hoffnungen anführen, sei „grundsätzlich“ als Sprungbrett Richtung WM-Einstieg zwar geeignet, das Niveau aber mit dem der Serien in Spanien nicht zu vergleichen. „Der Moto4 Northern Cup ist schön und gut, wie er dasteht, aber das Level ist meines Erachtens noch ein bisschen zu langsam, ein bisschen zu schwach“, findet Bradl. „Anina Urlaß ist in Brünn von der letzten Startposition zweimal auf Platz zwei vorgefahren und hat noch um einen Rennsieg gekämpft.“
Es sei „nicht so, dass wir keine Möglichkeiten hätten, uns fehlt aber auch, muss man dazu sagen, die nächste Generation, die jetzt mit 12, 13, 14 so in den Startlöchern stehen würde“, so Bradl. „Das heißt aber auch grundsätzlich, dass wahrscheinlich das Interesse generell an der MotoGP begrenzt ist im deutschsprachigen Raum.“ Eine Karriere sei eben „mit vielen Hindernissen gespickt“, der Nachwuchs müsse „Opfer bringen“, „Risiko gehen – nicht nur auf der Strecke“ und „das persönliche Leben dementsprechend organisieren“.
Bradl, früherer Moto2-Weltmeister, engagiert sich weiter zusammen mit dem Motorsport Team Germany in einem Nachwuchsprojekt. In Sachen Förderung fehlt ihm noch „ein bisschen das spezifische Straßenrennsport-Know-how. Ich will nicht sagen, dass es absolut nicht gegeben ist, aber das könnte man ein bisschen verfeinern und ein bisschen expliziter ausarbeiten.“