Endet am Saisonende nicht nur Sebastian Vettels Formel-1-Karriere, sondern auch die von Ex-Teamkollege Daniel Ricciardo?

Für den Australier wird nach der Bekanntgabe seiner Vertragsauflösung mit McLaren die Luft dünn auf dem F1-Fahrermarkt für 2023.

Doch ausgerechnet sein ehemaliger Red-Bull-Teamkollege aus Deutschland springt ihm vorm Belgien-GP (Das komplette Rennwochenende im SPORT1-Liveticker) am Donnerstag verbal zur Seite: „Die Nachricht über Daniels Aus hat mich traurig gemacht. Ich hatte die Ehre, als Teamkollege (2014, Anm. d. Red.) gegen Daniel zu fahren und leider von ihm geschlagen zu werden. Ich kenne Daniels Qualitäten und bin sicher, dass McLaren versagt hat, sein Potenzial auszuschöpfen.“ (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Immerhin: Ähnliche Töne hatte bei der Trennungsnachricht am Donnerstag auch schon die Teamführung des Traditionsrennstalls aus Woking angestimmt. „Letztendlich sind Team und Fahrer dafür verantwortlich, Performance abzurufen. Es gibt eine geteilte Verantwortung dafür, dass wir es leider nicht hinbekommen haben“, räumte beispielweise Teamchef Andreas Seidl ein.

Ricciardo vor ungewisser Zukunft

Doch all der netten Abschiedsworte zum Trotz, der ewig lächelnde Ricciardo wirkt am Tag nach seinem Aus bei McLaren extrem niedergeschlagen: „Ich muss zugeben: Das ist kein schönes Gefühl und kein angenehmer Moment in meiner Karriere. Aber die perfekte Laufbahn gibt es für keinen von uns. Manchmal muss man einfach akzeptieren, dass etwas nicht klappt, so sehr man es auch versucht.“

Nach anderthalb Jahren ziehen er und McLaren deshalb vorzeitig den Schlussstrich. Immerhin: Die Saison darf Ricciardo, der eigentlich auch 2023 ans Team gebunden war, noch zu Ende fahren.

Was danach kommt, „weiß ich noch nicht“, sagt Ricciardo. Klar ist für ihn aber: „Die Formel 1 ist das Einzige, was mich derzeit im Motorsport interessiert.“ Damit erteilt der Australier auch Spekulationen eine Absage, er könnte doch Teil der McLaren-Familie bleiben und für das Team in der IndyCar-Serie oder der Formel E fahren, wo McLaren neben dem Deutschen René Rast noch ein Cockpit zu vergeben hätte.

Alpine und Haas als Optionen

Mit Blick auf Ricciardos Formel-1-Zukunft bleiben für 2023 nur drei realistische Optionen:

Nummer eins ist die Rückkehr zu Ex-Team Alpine, die ihren Junior Oscar Piastri an McLaren und Altstar Fernando Alonso an Aston Martin verloren haben. Beim Team, das damals noch Renault hieß, fuhr der ‚Honigdachs‘ bereits 2019 und 2020, hinterließ damals eine gute Visitenkarte. Einzige Hürde: Ob die Franzosen Ricciardo seinen damaligen Abgang zu McLaren wirklich verziehen haben und ihn tatsächlich noch einmal anheuern würden, bleibt abzuwarten.

Ricciardos zweite Option ist Haas. Teamchef Günther Steiner soll sich bereits am Ungarn-Wochenende nach dem Australier erkundigt haben. Für den aufstrebenden US-Rennstall wäre eine Ricciardo-Verpflichtung nicht nur die Chance, einen extrem erfahrenen Piloten, sondern erstmals auch einen ehemaligen GP-Sieger in ihren Reihen zu haben. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Auffällig: Seine Sommerpause verbrachte Ricciardo ausgerechnet in den USA. Ob er der Haas-Fabrik in Kannapolis, North Carolina, dabei schon mal einen Erkundungsbesuch abgestattet hat, ist bis dato nicht überliefert. Bitter wäre ein Andocken des Aussies aber in jedem Fall für Mick Schumacher, der sich dann seinerseits ein neues Cockpit suchen und dabei wohl ebenfalls auf Alpine schielen müsste.

Urlaub mit Sebastian Vettel?

Die letzte offene Option ist Williams, die weiter nach einem Nachfolger für den glücklosen Nicholas Latifi Ausschau halten. Hier steht jedoch der junge US-Amerikaner Logan Sargeant auf der Pole-Position. Mit einer Beförderung des Formel-2-Fahrers würde Williams vor allem dem F1-Inhaber Liberty Media den langersehnten Wunsch nach einem US-Piloten in der Königsklasse erfüllen.

Wenige Tage nach der Rücktritts-Ankündigung von Sebastian Vettel hat Aston Martin für die Saison 2023 bereits einen Nachfolger gefunden.

Wenige Tage nach der Rücktritts-Ankündigung von Sebastian Vettel hat Aston Martin für die Saison 2023 bereits einen Nachfolger gefunden.

Theoretisch sind auch noch die Cockpits von Guanyu Zhou bei Alfa Romeo und Yuki Tsunoda bei AlphaTauri für nächste Saison unbestätigt – in beiden Fällen geht die Tendenz des Teams aber dazu mit dem aktuellen Fahrer weiterzumachen. Für Ricciardo werden sich hier wohl keine Chancen auftun. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Ob er die ergreifen würde, ist ohnehin fraglich. „Ich will nicht einfach nur in der Formel 1 bleiben, um mitzurollen“, betont der Australier im Gespräch mit SPORT1. „Vielleicht mache ich ein Jahr Urlaub mit Seb.“ Die netten Worte des Heppenheimers haben Ricciardo gut getan. „So etwas ist immer schön zu hören. Seb war ein starker Teamkollege, von dem ich viel gelernt habe. Ich glaube auch nicht, dass ich das Fahren verlernt habe. Aber bei McLaren sollte es einfach nicht sein.“

Fest steht: Die Formel 1 wäre ärmer ohne Daniel Ricciardo.

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