Längst ist Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko ein gern gesehener Interview-Gast im Formel-1-Paddock. Erfrischend ehrlich und stets geradeaus gibt der Österreicher in der Regel seine Gedanken preis.

Doch was für die Medien häufig gefundenes Fressen ist, bereitet dem eigenen Team mitunter auch Kopfschmerzen. „Er ist ein Albtraum für jeden PR-Manager“, scherzte Teamchef Christian Horner im ESPN-Podcast „F1 Unlapped“ über die Aussagen Markos, die oftmals harte Schlagzeilen zur Folge haben.

„Wenn er gegen die Regeln verstößt, müsst ihr ihn nur zitieren und ihr habt eine Überschrift“, fügte Horner hinzu. Dennoch hat der 49-Jährige kein Problem mit der Art seines Kollegen.

Horner erklärte: „Er sagt es einfach nur so, wie er es sieht. Er sagt genau, was er denkt. Da tickt er so ähnlich wie Niki Lauda. Es ist die gleiche Generation und in vielen Bereichen die gleiche Einstellung.“

Horner: „Wenn sie Helmut nicht überleben, dann..“

Denn gleichzeitig schwärmte Horner in höchsten Tönen vor Marko und dessen ungebrochener Leidenschaft für den Rennsport.

„Er hat einige großartige Junior-Fahrer ausgewählt. Er ist hart zu den Nachwuchsfahrern, aber wenn sie Helmut nicht überleben, dann werden sie die Formel 1 nie überleben.“ Auch im Alter von 80 Jahren sei Marko nach wie vor auf der Suche nach den schnellsten Sektorenzeiten, so der Teamchef.

Zudem schaue sich Marko immer noch „jede Session der Formel 3 und Formel 2 an, behält jede Zwischenzeit im Auge und verfolgt die jungen Talente“, erklärte Horner, zu dem er laut eigener Aussage ein „gutes Verhältnis“ pflegt.

WM-Thriller 2021? „Ich erhole mich noch heute davon“

Darüber hinaus hat Horner eine erste Zwischenbilanz zur Saison 2023 gezogen, die Red Bull nach Belieben dominiert. Alle zwölf bisherigen Rennen gewann das österreichische Weltmeister-Team.

„Ganz ehrlich – nicht in meinen kühnsten Träumen hätte ich vor der Saison so etwas erwartet“, betonte der 49-Jährige. Max Verstappen ist der Konkurrenz in der Fahrerwertung längst enteilt und selbst der oftmals schwächelnde Sergio Pérez liegt noch komfortabel auf Platz zwei. Im Konstrukteurs-Pokal hat Red Bull zur Sommerpause mehr als doppelt so viele Punkte eingefahren wie der erste Verfolger Mercedes.

Dabei lieferten sich diese beiden Rennställe 2021 noch ein irres Kopf-an-Kopf-Rennen, das beim dramatischen WM-Finale von Abu Dhabi in dem atemberaubenden Duell zwischen Verstappen und Lewis Hamilton gipfelte. Derart harte Gegenwehr fehle Horner jedoch nicht.

„Nein, ich vermisse einen so heftigen Kampf wie 2021 wahrlich nicht, ich erhole mich noch heute davon“, antwortete der Engländer auf eine entsprechende Frage. Vielmehr hob Horner die überragende Verfassung Verstappens hervor: „Was wir derzeit erleben, das gibt es in der Formel 1 ganz selten – dass ein Fahrer derart überlegen ist. Ich schätze mich glücklich, dass ich so etwas erleben darf.“