Die letzte Lektion des WM-Duells 2024 hat Max Verstappen seinem Rivalen Lando Norris in der Pressekonferenz nach dem Gewinn seines vierten WM-Titels erteilt. „Es ist nie einfach, Weltmeister zu werden“, referierte der siegende Niederländer da. „Aber wichtig ist es, immer konstant zu sein und ab und an überzuperformen.“
Verstappen hat das nun schon zum vierten Mal in Folge geschafft. Lando Norris ist bei seinem ersten Versuch, die begehrte WM-Krone zu holen, erstmals gescheitert – obwohl er über weite Strecken der zweiten Saisonhälfte das schnellere Auto hatte.
Norris: „Mussten den Preis zahlen“
Was Norris fehlte: Konstanz und Kaltschnäuzigkeit. Das räumt der Brite sogar selbstkritisch ein. „In der ersten Saisonhälfte waren wir ein wenig überrascht: ‚Oh, jetzt sind wir im WM-Kampf dabei‘“, verrät er bei Sky. „Ich weiß nicht, ob ich oder wir als Team dafür bereit waren. Jetzt müssen wir gegen die großen Jungs kämpfen und alles perfekt umsetzen. Auch wenn wir gedacht haben, dass wir bereit wären, das waren wir nicht. Da mussten wir ein wenig den Preis zahlen.“
Was Norris meint: Einerseits hat McLaren sich viel zu spät auf den Briten als Nummer eins festgelegt. So verlor er wichtige Punkte und viel Rückenwind. Andererseits hat er selbst zu viele kleine Fehler gemacht.
Ein Grund: „Es ist definitiv mehr Druck im WM-Kampf“, erklärt er freimütig. „Es liegen mehr Augen auf einem, es wird mehr verlangt und man bekommt häufiger gesagt, mach keinen Mist und bau keinen Mist. Man muss einfach besser fahren.“
Allein, dass Norris diesen Blick in seine Seele zulässt, zeigt seine Schwäche. Er hinterfragt sich zu häufig selbst. Ein Beispiel: Beim GP in Österreich kollidierten die beiden WM-Kämpfer. Norris kritisierte Verstappen lautstark für dessen rüde Fahrweise – und entschuldigte sich ein Rennen später dafür.
Fehlender Killerinstinkt
Herunterbrechen lässt sich das Norris-Dilemma auf einen Satz: Ihm und McLaren fehlt (noch) der Killerinstinkt. Neben der Strecke und darauf.
Wie im Übrigen auch Ferrari-Star Charles Leclerc. Der Ferrari-Pilot verließ sich in Las Vegas auf einen Nichtangriffspakt mit seinem Noch-Teamkollegen Carlos Sainz – und verpasste deshalb das Podium. Denn während sich der Monegasse sicher wähnte, setzte Sainz allen Funksprüchen zum Trotz zum Überholmanöver an.
„Nett zu sein, f**** mich einfach jedes Mal“, flippte Leclerc nach dem Rennen am Boxenfunk aus. „Es ist ja nicht mal nett zu sein, einfach nur respektvoll.“ Den Podestplatz hat trotzdem der andere Ferrari geholt.
Bei Red Bull dagegen kommt Verstappen gar nicht erst in die Verlegenheit, seinem Teamkollegen den Vortritt lassen oder mit dem Team diskutieren zu müssen. Er hat bisher noch jeden seiner Beifahrer demontiert. Eben auch mit jener Gnadenlosigkeit, die ihn jetzt zum viermaligen Champion gemacht hat.
Ausgerechnet der McLaren-Teamchef zieht das passende Fazit: „Herzlichen Glückwunsch an Max, der beste Fahrer hat die WM gewonnen und wir freuen uns auf nächstes Jahr.“ Hoffentlich freut er sich da nicht zu früh …