Toto Wolff ist seit zwölf Jahren das Gesicht des Mercedes-Werkteams. Acht Konstrukteurs-Titel in Folge, sieben Fahrer-Kronen und eine Ära der Dominanz gehen auf sein Konto.
Doch seit einigen Jahren stagniert der Stern: Nur sechs Grand-Prix-Siege stehen seit dem Ende der Hybrid-Hochphase zu Buche. Nun überrascht der 52-Jährige mit ungewohnt offenen Worten über seine eigene Rolle.
Mercedes-Boss Wolff: „Wenn einer besser ist als ich, trete ich zurück“
„Ich bin in der komfortablen Lage, mich zur Not selbst zu feuern“, erklärte Wolff im Gespräch mit motorsport.com. Als Gesellschafter, CEO und Teamchef könne er sein Aufgabengebiet jederzeit neu zuschneiden.
„Sobald ich jemanden finde, der mehr beitragen kann, räume ich den Platz sofort – vielleicht kümmere ich mich dann nur noch ums Geschäftliche oder ausschließlich um den Rennbetrieb.“
McLaren als mögliches Vorbild in der Formel 1
Als Beispiel nennt Wolff das McLaren-Modell mit CEO Zak Brown und Teamchef Andrea Stella. Brown reist um den Globus, akquiriert Partner, während Stella die sportliche Führung übernimmt.
„Unser Team ist inzwischen so groß, dass eine ähnliche Aufteilung die Zukunft sein könnte“, meint Wolff. Er suche langfristig Persönlichkeiten, die das operative Tagesgeschäft übernehmen könnten.
Wolff blickt selbstkritisch auf seine Entwicklung: „2014 war ich ein Auftragskiller, heute bin ich weicher geworden – das ist im Motorsport gefährlich. Also muss ich das mit Klugheit ausgleichen.“ Der Wiener ist mittlerweile der dienstälteste Teamchef im Feld, während andere Rennställe ihre Chefs fast so häufig wechseln wie Fußballklubs ihre Trainer.
Rat an Ferrari-Freund Vasseur
Auch Ferrari-Boss Fred Vasseur bekam die Launen des Fahrerlagers zu spüren, als der Scuderia-Start in die Saison missglückte. Wolff erinnert sich an eigene Krisen zu Beginn seiner Karriere: „Damals war ich Sonntagabend ein Genie und Montagmorgen der falsche Mann. Multiplizierst du das mit hundert, bist du in Italien.“ Sein Tipp an Vasseur: „Lies keine Gazetta, ignorier die Websites.“
Ein vorzeitiger Abschied ist dennoch nicht imminent. Wolff betont, dass alle Entscheidungen gemeinsam mit den Mitgesellschaftern – Mercedes-Benz und INEOS – fallen. Doch die Botschaft ist klar: Der starke Mann der Silberpfeile denkt laut über seine Nachfolge nach. Ob sich ein geeigneter Kandidat findet, bleibt das spannendste Personalthema der Königsklasse.