Hallo Eishockey-Freunde,
Nachdem die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft in der Viertelfinal-Qualifikation gegen die Slowakei krachend scheiterte, muss ich ehrlich sagen: Es ist sehr enttäuschend. (News: Alle aktuellen Infos zu Olympia 2022)
Man ist mit großen Ambitionen ins Turnier gestartet und die Jungs haben auch selbst davon gesprochen, dass sie ganz vorne mitspielen wollen. Leider hat man es zu keinem Zeitpunkt im Turnier geschafft, endlich mal Druck aufzubauen und sein Spiel durchzuziehen – oft war man einen Schritt zu spät. Es ist sehr, sehr schade, dass die Jungs jetzt schon das Turnier verlassen mussten.
Ich glaube nach wie vor, dass Potenzial in dieser Truppe geschlummert hat. Leider hat man es schon von Spiel eins nicht geschafft, das aufs Eis zu bringen. Woran es wohl lag? (DATEN: Der Zeitplan von Olympia 2022)
Reimer: Wolf-Ausraster keine schöne Aktion
Vielleicht hat die kleine Eisfläche eine Rolle gespielt, ich denke aber vor allem, dass das Selbstvertrauen gefehlt hat.
Den positiven Lauf, den wir vor vier Jahren hatten, konnte man dieses Mal nicht mitnehmen – ganz im Gegenteil. Man hat es nicht geschafft, Schwung reinzubringen und den kleinen Aufwind, den es durch das USA-Spiel gab, mit in das KO-Spiel gegen die Slowakei zu nehmen.
Der Ausraster von David Wolf in der Partie gegen die Slowakei war natürlich keine schöne Aktion. Da war sehr viel Frust dabei und warum er die Aktion so begangen hat, das weiß nur er selbst. Aber ich bin mir sicher, dass Wolfi auch weiß, dass da die Pferde mit ihm durchgegangen sind und dass das nicht nötig war. Ich gehe auf jeden Fall davon aus, dass er sich im Anschluss dafür entschuldigt hat. (SERVICE: Der Medaillenspiegel)
Es darf jetzt nicht alles schlechtgeredet werden
Zurück zum Sportlichen: Dass man am Ende nur eines der vier Spiele gewinnen konnte, ist natürlich sehr unbefriedigend. Keiner der Spieler wird mit seiner Leistung zufrieden gewesen sein. Der ein oder andere hat ab und zu mal sein Können aufblitzen lassen, am Ende ist es aber ein Mannschaftssport und sie haben es als Mannschaft nicht geschafft, ihren Weg zu gehen und ihr Spiel zu finden.
Trotz des enttäuschenden Turniers darf jetzt nicht alles schlechtgeredet werden. Im Vorjahr erreichte das DEB-Team bei der WM das Halbfinale, gewann zudem den Deutschland-Cup.
Natürlich lieferten die Jungs bei Olympia vier schwache Spiele ab, aber man sollte das trotzdem nicht überbewerten und sicher nicht alles über den Haufen werfen.
Aus diesem Grund verstehe ich auch die Trainerdiskussion nicht. Unter Toni Söderholm ist viel Positives passiert: Seit der Ablösung von Marco Sturm hat Toni überragende Arbeit geleistet und macht meiner Meinung nach auch nach wie vor einen sehr guten Job.
Mehr über Willen und Kampfgeist kommen
Ich glaube vielmehr, dass wir einfach wieder unsere Tugenden aufs Eis bringen sollten. Wir müssen mehr über den Willen und den Kampfgeist kommen, dann kommt das Spielerische automatisch. Wir müssen die Grundtugenden, die uns auszeichnen, wieder mehr verinnerlichen. Das ist uns dieses Jahr bei Olympia nicht gelungen – es wird allerdings wichtig sein, um wieder Erfolg zu haben.
Euer Patrick Reimer
Patrick Reimer, 39, gewann mit der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei Olympia 2018 in Peking die Silbermedaille. Dafür wurden er und die anderen Nationalspieler mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. Im April 2018 trat der rechte Flügelstürmer nach 105 A-Länderspielen (29 Tore, 27 Vorlagen) aus der Nationalmannschaft zurück.
In der Deutschen Eishockey Liga DEL spielt Reimer nach wie vor für die Nürnberg Ice Tigers. Er wurde dreimal als Spieler des Jahres der DEL ausgezeichnet, damit ist er alleiniger Rekordhalter. Zudem ist er der erfolgreichste Scorer der DEL-Geschichte.
Für SPORT1 ist Reimer bei Olympia in Peking als Kolumnist rund um das Eishockey-Turnier tätig.