Heimlich aufgenommene Nacktfotos, übergriffiges Verhalten, Sexismus, Rassismus.
Schwere Vorwürfe, die ein verheerendes Sittenbild des US-Teams zeichnen, überschatten die Erfolgsbilanz der amerikanischen Snowboarderinnen und Snowboarder bei Olympia in Peking (drei Goldmedaillen) – und sorgen für anhaltenden Wirbel. (News: Alle aktuellen Infos zu Olympia 2022)
Eine Woche, nachdem Ex-Snowboarderin Callan Chythlook-Sifsof massive Anschuldigungen erhoben und damit eine Untersuchung gegen Coach Peter Foley ausgelöst hat, hat sich die 33-Jährige nochmal zu Wort gemeldet.
Sie reagierte damit auf eine Entschuldigung, die ihr bei Olympia noch aktiver Ex-Teamkollege Hagen Kearney mittlerweile veröffentlicht hat – und wertete sie als zum Teil unaufrichtig. (SERVICE: Der Medaillenspiegel)
Auch US-Weltmeister unter Beschuss
Chythlook-Sifsof hatte dem Team-Weltmeister von 2017 vorgeworfen, sie im Jahr 2014 wiederholt mit Vergewaltigungswitzen und dem rassistischen N-Wort provoziert zu haben. Der Streit sei nach der Rückfahrt von einem Olympia-Quali-Event in Kanada eskaliert, als er sie im Teamvan mit dem Wort gereizt hätte.
Nach der Hotelankunft hätte er ihr das Wort im Flur schließlich „etwa 20 Mal“ entgegengeworfen. Auf ihre Antwort, dass er damit aufhören solle „oder sonst“, hätte er sich bedrohlich vor ihr aufgebaut, einen „Fake-Punch“ angedeutet und gefragt: „Sonst was?“ Danach sei er ihr gegen ihren Willen in den Aufzug gefolgt, sie hätte sich durchs Treppenhaus entzogen.
Kearney hatte die Vorwürfe gegen ihn in einer ersten Reaktion in der New York Times nicht dementiert und sich mittlerweile bei Instagram ausführlicher geäußert. (DATEN: Alle Ergebnisse bei Olympia 2022)
Hagen Kearney gesteht und bereut rassistischen Ausfall
Kearney gab zu, das N-Wort „im scherzhaften Kontext“ verwendet zu haben, „um Callan zu reizen“. Er sprach von „größten“ Fehler seines Lebens, den er „sofort bereut“ hätte, der Trainerstab sei umgehend informiert worden, er wäre fast aus dem Team geworfen worden.
Seiner Darstellung zufolge hat er sich damals auch persönlich bei Chythlook-Sifsof entschuldigt, die das „zögerlich“ akzeptiert hätte, wofür er dankbar sei: „Ich hatte nicht denselben Kopf auf meinen Schultern wie heute und Callan hat eine große Rolle dabei gespielt, dass ich als Mensch gewachsen bin.“
Zurückgewiesen hat der 30-Jährige im selben Atemzug die Vergewaltigungswitze und alles, was nach der Van-Fahrt passiert sein soll – die Konfrontation im Hotelflur, das N-Wort-Stakkato, die körperlichen Einschüchterungsversuche. (DATEN: Der Zeitplan von Olympia 2022)
„Als einmaliges Ereignis falsch dargestellt“
Chythlook-Sifsof – die zuletzt erklärt hatte, dass ihr „geraten“ worden sei, nicht weiter zum Thema zu äußern – hat sich nun noch einmal an die Öffentlichkeit gewandt und auf die Entschuldigung reagiert.
Sie „honoriere“ diese prinzipiell, jedoch: „Ich war enttäuscht, dass er das als einmaliges Ereignis falsch dargestellt hat, statt zuzugeben, dass alles in meinem Post wahr war.“
Kearney hätte wiederholt rassistische Schimpfwörter benutzt und Witze über sexuelle Gewalt gemacht, eine „Jahrzehnte lange“ Konsequenzlosigkeit solchen Verhaltens hätte eine „feindliche und übergriffige Atmosphäre gegen weibliche Athletinnen geschaffen“.
Schwerer Vorwurf gegen Coach Peter Foley
Chythlook-Sifsof hatte zuvor Coach Foley beschuldigt „über ein Jahrzehnt lang Nacktfotos von Athletinnen aufgenommen zu haben“, konkrete Vorwürfe erhob sie auch gegen Ex-Athlet Trevor Jacob, dem sie sexistische Prahlereien vorhielt.
Foley hat die gegen ihn erhoben Vorwürfe dementiert, Jacob reagierte mit Beleidigungen gegen Chythlook-Sifsof.