Natürlich gab es auch in der ersten Woche der Winterspiele schon die besonders prägenden Olympia-Momente. Die tragischen ebenso wie die glorreichen.

Der Sturz von Lindsey Vonn gleich am ersten Wochenende. Die Schockwellen, die sich die Tofana hinunter ausbreiteten. Die Totenstille bei den Zuschauern am Ziel. Das schmerzhafte Ende einer schillernden Karriere.

SPORT1-Reporter Holger Luhmann erlebte bei der Zusammenkunft mit den ukrainischen Rodlern seinen emotionalsten Olympia-Moment
SPORT1-Reporter Holger Luhmann erlebte bei der Zusammenkunft mit den ukrainischen Rodlern seinen emotionalsten Olympia-MomentSPORT1-Reporter Holger Luhmann erlebte bei der Zusammenkunft mit den ukrainischen Rodlern seinen emotionalsten Olympia-Moment

Ausgelassene Freude von Raimund

Den unverhofften Goldsprung von Philipp Raimund in Predazzo aus deutscher Sicht. Die ausgelassene Freude. Der Augenblick, in dem all die Mühen und all das Training zur sportlich größtmöglichen Belohnung führen – dem Olympiasieg.

Mein emotionalster Olympia-Moment aber war ein anderer. Es waren leise, ergreifende Minuten, abseits von Triumphen und Medaillen.

Beim Staffel-Wettbewerb der Rodler sprach ich mit den ukrainischen Starterinnen und Startern. An jenem Tag war ihr Skeleton-Teamkollege Wladislaw Heraskewytsch disqualifiziert worden, weil er mit einem Helm fahren wollte, auf dem im Krieg getötete ukrainische Sportler zu sehen sind. Die Rodler solidarisierten sich nach ihrem Wettkampf mit einer kraftvollen Geste der Solidarität: Sie knieten nieder und reckten ihre Helme in die Höhe.

Minuten später unterhielt ich mich in der für Athleten und Journalisten vorbehaltenen Mixed Zone mit ihnen. Sie beteuerten: Ihnen ging es nicht um ein politisches Statement oder einen Protest. Was ich vielmehr spürte, war etwas anderes: eine tiefe Trauer und einen großen Schmerz. Und das schlichte Bedürfnis, verstanden zu werden.

Das ist das wahre Olympia!

Dazu muss man Folgendes wissen: Fast alle ukrainischen Sportler müssen im Ausland trainieren. Ihre Trainingsstätten sind weitgehend zerstört. Dazu kommt die stetige Sorge um die Menschen in ihrer Heimat. Die Trauer um Verstorbene.

In diesem Augenblick zeigte sich: Das ist das wahre Olympia! Nicht die Hatz nach Erfolgen. Nicht das schimmernde Gold, Silber oder Bronze. Nur wenn wir Menschen – nicht Sportlern, sondern einfach nur Menschen – zuhören, ihnen Raum geben, ihre Emotionen zulassen, nur dann hat der olympische Gedanke einen Wert!