Vom Laureus Award berichtet Marc Ellerich
Kuala Lumpur – Im fünften Anlauf hat der Mann mit der Nummer 1 endlich zugeschlagen.
Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hat sich in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur nach vier vergeblichen Anläufen den berühmten Sport-Oscar Laureus gesichert (Der LIVE-TICKER zum Nachlesen).
Er ist der „Sportsman of the Year“, der Sportler des Jahres 2014 (
).
Und dass der FC Bayern München derzeit alles, aber auch wirklich alles abräumt, stellte der deutsche Rekordmeister am Tag nach seinem frühesten Titeltriumph der Bundesliga-Geschichte auch in der südostasiatischen Millionenmetropole unter Beweis.
„Mannschaft des Jahres“, so dürfen sie sich die Münchner nun nennen. Und wer würde ernsthaft behaupten, dass das nicht stimmt?
Auch wenn sie bei der Wahl der Laureus Akademie deren 46 Stimmen gegen berühmte Teams wie die Miami-Heat, America’s Cup-Sieger Oracle und Vettels Weltmeister-Team Red Bull gewinnen mussten.
„Es hat das richtige Team gewonnen“, gratulierte jedenfalls die englische Fußball-Legende Sir Bobby Charlton im Gespräch mit SPORT1.
Aber während der große, alte Mann von der Insel den beschwerlichen Weg ins ferne Asien auf sich genommen hatte, glänzten die Bayern-Stars bei der Gala durch Abwesenheit.
Verständlicherweise, muss man wohl sagen: Wer konnte schon mit so einem Tempo-Titel rechnen, als die Laureus-Gala organisiert wurde?
Immerhin: Paul Breitner war gekommen, als Ex-Weltmeister gewiss ein würdiger Abgesandter des Triple-Siegers, der nun die silberne Trophäe mit nach Hause nach München bringen wird.
„Es ist ein weiterer großer Moment in der Geschichte unseres großartigen Klubs. Dieser Laureus-Award erkennt die harte Arbeit unseres Vereins an“, bedankte sich Breitner. Und eine gewisse Aufregung war dem Mann, der in seiner großen Karriere doch schon so vieles gewonnen, tatsächlich anzumerken.
Breitner adressierte seinen Dank an die Laureus-Juroren und ans Publikum in Kuala Lumpurs Nationaltheater Istana Budaya, da hielt er die silberne Trophäe aus dem Hause Cartier noch nicht einmal in Händen.
Auch Vettel war berührt. „Trophäen gewinnen ist eines der Hauptdinge, die mich antreiben“, berichtete er und ließ den Laureus dabei keinen Moment lang aus den Augen: „Diese ist vielleicht nicht die größte, die ich bekommen habe. Aber wirklich eine ganz spezielle.“
Es war also ein toller Tag für den gesamten deutschen Sport, der da vor den vielen internationalen Gästen zelebriert wurde. Zwei deutsche Laureus-Sieger, wo es doch überhaupt erst fünf davor gegeben hatte.
Da wäre es an diesem Abend wohl zuviel gewesen, hätten Welttorhüterin Nadine Angerer als „Sportlerin des Jahres“ und der in der Kategorie „Durchbruch des Jahres“ ebenfalls nominierte Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe aus dem Duo ein schwarz-rot-goldenes Quartett gemacht.
Ausgezeichnet wurden stattdessen US-Schwimmstar Missy Franklin, die ihr Glück trotz sechs WM-Titeln im Vorjahr kaum fassen konnte und der spanische MotoGP-Weltmeister Marc Marquez.
Aber der Laureus erfüllt ja ohnehin nicht den einzigen Zweck, Sportstars für ihre erfolgreiche Arbeit zu feiern, es geht um einiges mehr.
Das vergaß auch Vettel nicht, nachdem er aus den Händen der brasilianischen Formel-1-Legende Emerson Fittipaldi den Laureus entgegen genommen hatte.
„Was ich hier aus der Awardshow mitnehme, ist dass der Sport eine große Inspirationsquelle sein kann“, sagte der Red-Bull-Pilot, der am Wochenende in der Nähe auf dem Kurs in Sepang beim Malaysia-Grand-Prix starten wird.
„Diese Inspiration mit den Kids zu teilen, gibt ihnen die Möglichkeit, zu etwas aufzuschauen, eine Chance“, betonte der Heppenheimer: „Es ist eine der größten Hoffnungen, die wir verbreiten können. Wir sollten das in Zukunft noch stärker versuchen.“
Es ist die soziale Idee, die hinter dem glamourösen Sportpreis mit seiner schillernden Gala steckt.
Vor 15 Jahren von den Firmen Richemont und Daimler ins Leben gerufen, sammelt die Laureus Sport for Good Foundation Geld ein, um in mittlerweile 140 Projekten sozialen Problemen zu begegnen.
60 Millionen Euro hat die Stiftung eingesammelt, die von den globalen Partnern Mercedes-Benz und IWC Schaffhausen unterstützt wird.
Ihren Auftrag hat Südafrikas verstorbener Präsident Nelson Mandela im Gründungsjahr 2000 formuliert: „Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern und zu inspirieren. Er hat die Kraft, Menschen zu vereinen, wie weniges sonst. Sport kann Hoffnung zum Leben erwecken, wo davor nur Verzweiflung war.“
In 34 Ländern will Laureus seinen Beitrag im Kampf gegen Jugend-Kriminalität, AIDS, Diskriminierung, soziale Stigmatisierung und andere Probleme leisten.
Es ist dieser Stiftungszweck, mit dem sich die Austragung der Laureus-Gala in diesem Jahr moralisch letztlich rechtfertigen ließ.
Denn der Laureus 2014 stand unter dem Eindruck der Tragödie um den abgestürzten Flieger MH 370.
Den Opfern wurde in Kuala Lumpur in einer Schweigeminute gedacht.
Die Gewinner im Überblick:
Sportler des Jahres: Sebastian Vettel (Deutschland/Formel 1)
Sportlerin des Jahres: Missy Franklin (USA/Schwimmen)
Mannschaft des Jahres: Bayern München (Deutschland/Fußball)
Durchbruch des Jahres: Marc Marquez (Spanien/Motorradsport)
Comeback des Jahres: Rafael Nadal (Spanien/Tennis)
Behindertensportler des Jahres: Marie Bochet (Frankreich/Ski Alpin)
Action-Sportler des Jahres: Jamie Bestwick (Großbritannien/BMX)