Isabell Werth lächelte, sie hatte auch allen Grund dazu – eine Medaille gab es bei der großen Show der neuen Weltmeisterin Lottie Fry trotzdem nicht. Mit dem zwölfjährigen Hengst Quantaz legte die Titelverteidigerin im Grand Prix Special bei der Dressur-WM in Herning die vielleicht beste Runde überhaupt mit diesem oft so unberechenbaren Pferd hin.

Am Ende fehlten Werth vier Zehntelpunkte zu Bronze, sie wurde Vierte, unmittelbar hinter ihr krönte Benjamin Werndl mit Famoso auf Platz fünf einen aus deutscher Sicht durchaus gelungenen Special. Damit kehrt Titelverteidigerin Werth erstmals seit Caen 2014 ohne Medaille im Grand Prix Special von der Dressur-WM zurück.

„Ein Wimpernschlag fehlt uns zu Bronze, aber es ist, wie es ist“, sagte Werth, bisher mit zwölf WM-Medaillen, davon neun aus Gold, dekoriert: „Ich bin trotzdem super happy, das Pferd hat sich toll präsentiert, das ist es, was ich wollte, und dann ist es eben am Ende Glück oder Pech.“ Sie habe ja schon oft Glück gehabt, „und jetzt halt mal ein bisschen Pech“.

Gold ging an die neue Überfliegerin Charlotte „Lottie“ Fry (Großbritannien) und ihren unglaublichen pechschwarzen Hengst Glamourdale. Sie stieß Dänemarks Liebling Cathrine Dufour und deren unübersehbare Anhängerschar ins tiefe Tal der Tränen, für die große Favoritin und ihren Vamos Amigos reichte es – völlig zu Recht – „nur“ zu Silber. Bronze holte sich Dinja van Liere (Niederlande) mit dem ebenfalls außergewöhnlichen Hermes unter dem Sattel.

Klimke enttäuscht – Siegerin scherzt

Im Schatten der Siegerehrung genoss vor allem Benjamin Werndl seinen fünften Platz und die damit verbundene Qualifikation für die Kür der 15 Besten am Mittwoch. „Famoso war so gut bei mir, hat so gut zugehört“, sagte der Bruder der Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl, die in diesen Tagen ihr zweites Kind erwartet: „Das ist ein ganz besonderer Meilenstein in meinem Leben, so ein Ergebnis bei meinem ersten großen Championat. Die Erleichterung ist riesig, ich habe in der Prüfung jeden Meter genossen.“

Weniger gut lief es für Ingrid Klimke, für die zweimalige Vielseitigkeits-Europameisterin reichte es nur zu Platz 19 unter 30 Startern, die Kür wird ohne sie stattfinden. „Das war heute einfach mau“, stellte sie selbstkritisch fest: „Die Abstimmung war nicht gut, dann war ich mir so sicher im Galopp, aber auf einmal war er im Trab. Ich hab mich selber ein bisschen gewundert, und er glaube ich auch, aber es gibt ja mal so Tage.“

Eines dürfte nach den ersten beiden Dressurprüfungen dieser WM sicher sein: Der Weg zum Olympiagold 2024 in Paris führt nur über Lottie Fry und ihren alles überragenden Glamourdale.

Die 26-Jährige, Tochter der früh verstorbenen ehemaligen Weltklassereiterin Laura Fry, scheiterte jedenfalls bei dem Versuch, eine Schwäche ihres Pferdes zu benennen: „Vielleicht die Piaffe? Oder – nein, mir fällt eigentlich gar nichts ein.“