Nach gerade einmal zweieinhalb Minuten werden 650.000 Euro verteilt. Das Deutsche Derby, das am Sonntag auf der Rennbahn in Hamburg zum 157. Mal ausgetragen wird, ist das Highlight der Saison im deutschen Galopprennsport. 2400 Meter beträgt traditionell die zurückzulegende Strecke, es sind 19 Pferde, ausschließlich Hengste, die an den Start kommen.

Für ausländische Gäste ist das Preisgeld allerdings fast noch zu gering, um wirkliche Hochkaräter an den Start zu locken. Außerdem erschwert der frühe Meldetermin, der stets im Dezember des Vorjahres liegt, ein kurzfristiges Management möglicher Teilnehmer. So ist es mit dem aus England anreisenden Bay of Brillance nur ein vierbeiniger Gast, der sich auf den Weg nach Hamburg gemacht hat. Der Vierte aus dem Derby seines Heimatlandes gehört allerdings zu den ersten Anwärtern auf den Sieg.

Im einheimischen Lager teilen sich zwei Pferde die Favoritenrolle. Zum einen ist es der von Andreas Wöhler in Gütersloh trainierte Gostam, geritten von dem 51 Jahre alten, aus Panama stammenden Eduardo Pedroza. Im Französischen Derby war er Siebter, dort geht es über 2100 Meter, wobei es Zweifel gibt, ob die nun 300 Meter weitere Strecke so sein Ding ist.

„Wir glauben schon“, sagte Wöhler, „er ist gut drauf und wir fahren optimistisch nach Hamburg“. Die Konkurrenz steckt insbesondere in Englishman, den Marcel Weiß in Mülheim/Ruhr für den Wittener Einrichtungsunternehmer Manfred Ostermann trainiert. Er ist erst zweimal gelaufen, siegte jedoch unlängst in einem wichtigen Derby-Test in Köln. Im Sattel sitzt die 31 Jahre alte Schweizerin Sibylle Vogt, die versuchen wird, als zweite Frau nach Nina Baltromei im Vorjahr das Derby zu gewinnen. Startbox fünf ist schon einmal eine gute Voraussetzung.

Rund 12.000 Zuschauer werden am Sonntag auf der in die Jahre gekommenen Rennbahn im Stadtteil Horn erwartet. Da die Hamburger Trabrennbahn in Bahrenfeld in absehbarer Zeit geschlossen wird, ist in Horn langfristig eine Doppelrennbahn geplant. Pläne dafür existieren schon seit Jahren. Obsolet würden diese Überlegungen, wenn das Derby nicht mehr in Hamburg gelaufen würde. Dafür mehren sich die Stimmen in der Branche, der Ruf der Bahn hat gerade bei den Aktiven in jüngster Zeit sehr gelitten.