Aus Frankfurt berichtet Holger Luhmann

Frankfurt – Nein, „seinen“ Film hat Dirk Nowitzki noch nicht gesehen.

Und das wird auch bis zur Premiere von „Der perfekte Wurf“ am 16. September in Köln so bleiben.

„Das mache ich lieber mit den Fans zusammen bei der Premiere. Ich finde es schon schwierig genug, einen Film über mich und meine Karriere anzuschauen. Das muss ich nicht zweimal tun“, sagt Nowitzki bei einem Pressetermin seines Sponsors am Donnerstag in Frankfurt am Main mit einem Schmunzeln.

Dass überhaupt eine Dokumentation fürs Kino über ihn gedreht wurde, findet Basketball-Superstar gewöhnungsbedürftig: „Ich bin relativ gut darin, einen Ball in ein Körbchen zu werfen. Aber sonst finde ich mein Leben nicht sonderlich interessant.“

So ist er eben, der 2,13 Meter „große Deutsche“: Nach Jahren im Rampenlicht der NBA und auch nach seinem Meistertitel mit den Dallas Mavericks 2011 ist auf dem Boden geblieben.

Kraft tanken für den letzten großen Wurf

Derzeit lässt Nowitzki etwas die Seele baumeln und lädt seinen Akku wieder auf. Er ist auf Heimaturlaub bei seiner Familie in Würzburg. Später wird er mit seiner Ehefrau deren Eltern in Schweden besuchen.

Zwischendurch macht er „etwas Kraft- und Konditionstraining“.

Was nach der Auszeit im Sommer folgen soll, ist klar: der womöglich letzte große Wurf mit den Mavs in der NBA.

Ziel: „Top vier im Westen“

Nowitzki spricht „von den Top vier im Westen“ als Ziel. Für seine Bescheidenheit und Zurückhaltung klingen solche Worte schon wie eine forsche Drohung an die Konkurrenz (BERICHT: Neue Feuerkraft für Nowitzki).

Und er legt verbal nach: Mavericks-Besitzer Mark Cuban und General Manager Donnie Nelson würden „nochmal voll angreifen wollen“, verrät Nowitzki.

Damit dies gelingt, hat der 36-Jährige auf viel Geld verzichtet. Rund 35 Millionen Dollar lässt er sich bei seinem neuen Dreijahresvertrag entgehen ? für den Traum vom zweiten Meisterring.

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Dallas als zweite Heimat

In Verhandlungen mit den Los Angeles Lakers und den Houston Rockets, die Nowitzki angeblich fast das Maximalangebot von mehr als 20 Millionen Dollar pro Saison unterbreiteten, stieg der Umworbene gar nicht erst ein.

„Dallas ist meine zweite Heimat. Das Umfeld stimmt. Nur wenn ich noch keinen Meisterschaftsring hätte, hätte ich vielleicht schärfer überlegen müssen“, erklärt er.

In Dallas, wo er 1998 in der NBA debütierte, hat er seine Frau Jessica kennengelernt und geheiratet.

Hier kam Töchterchen Malaika zur Welt, hier hat er 2011 als Schlüsselspieler beim ersten und einzigen Titelgewinn der Mavericks seinen größten Erfolg gefeiert.

„Guter Mittelweg für beide Parteien“

Bei der letzten Etappe seiner sportlichen Karriere geht es ihm um persönliches Wohlbefinden, um Jovialiät. Der Verdienst, der natürlich noch immer exorbitant hoch ist, ist für ihn eher zweitrangig.

„Es gehört im Alter dazu, auf Geld zu verzichten und Opfer zu bringen. Ich habe lieber eine gute Mannschaft“, erklärt er seine Beweggründe für den Gehaltsverzicht.

Nowitzki spricht von einem „guten Mittelweg für beiden Partien“. Es sei jetzt noch genug Geld für andere Spieler da. Und er fühle sich „auch gebührend respektiert.“

Die Mavericks wissen das zu schätzen. „Man muss den großen Deutschen einfach lieben“, teilte der Klub am Dienstag im Rahmen der Vertragsverlängerung mit.

Rückkehrer Chandler und Neuzugang Parsons

Und so kann möglicherweise nicht nur Nowitzki den Mavs, sondern auch die runderneuerte Mannschaft ihm noch einmal viel Freude bereiten. ()

Mit Chandler, Mitglied der Meistermannschaft von 2011, wurde endlich der lange vermisste defensivstarke Center geholt.

Und nicht zuletzt von Neuzugang Chandler Parsons, mit dem Nowitzki befreundet ist, verspricht er sich viel: „Er passt sehr gut in unsere Mannschaft.“

„Am Ende das Maximale herausholen“

Nowitzki glaubt, dass er in Dallas „am Ende der Karriere das Maximale herausholen kann“.

Was das sein wird, muss sich zeigen.

Es ist gut möglich, dass der 104-minütige Dokumentarfilm „Der perfekte Wurf“ von Regisseur Regisseur Sebastian Dehnhardt noch um ein glorreiches Kapitel verlängert werden muss.

Vielleicht guckt Nowitzki den Film dann ein weiteres Mal.