Endlich geht es los! Die mit Spannung erwarteten NBA-Finals zwischen den Golden State Warriors und Cleveland Cavaliers beginnen in Oakland.

Superstar LeBron James fordert das Superteam um Steph Curry. SPORT1 macht vor Spiel 1 (ab 3 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und LIVESTREAM) den Vergleich im Head-to-Head.

RILEY CURRY: Einen Ehrenpunkt verdient sich vorab Riley Curry mit ihren denkwürdigen Auftritten bei den Pressekonferenzen von Papa Steph. Die Zweijährige wird zum Darling der NBA und stellt den sportlich schon sehr erfolgreichen LeBron James Jr. ganz klar in den Schatten.

POINT GUARD – STEPHEN CURRY: Bei aller Ausgeglichenheit der Warriors, ist der MVP der Motor des Champions der Western Conference. Mit durchschnittlich 29,2 Punkten, 6,4 Assists und 5,9 Rebounds spielt er überragende Playoffs. In den Conference Finals markiert er sogar 31 Zähler und trifft überirdische 49 Prozent seiner Dreier. Seine Fähigkeit, mit Screens zu arbeiten, öffnet der brillanten Offensiv-Maschinerie alle Türen.

KYRIE IRVING: Der in Melbourne geborene Aufbauspieler ist der große Gewinner des Sweeps gegen Atlanta. Dadurch hat er viel Zeit, sich um seine Fuß- und Knieprobleme zu kümmern. Bei 100 Prozent ist der zweitwichtigste Scorer der Cavs aber nach eigener Aussage nicht. Dabei braucht das Team seine Punkte (Playoffs: 18,7) dringend. So oder so wird es vor allem in der Defense sehr schwer für ihn. Vorteil Golden State (1:0).

SHOOTING GUARD – KLAY THOMPSON: Currys kongenialer Partner im Backcourt kann nach seiner Gehirnerschütterung gegen Houston im ersten Finale auflaufen. Der 25-Jährige ist der beste reine Scorer der Warriors, es bleibt aber abzuwarten, wie er effizient er sein wird. Schließlich hatte er gegen Houston gerade sein Händchen von draußen wiedergefunden – Playoff-Schnitt: 19,7 Punkte. In einem möglichen Matchup mit Irving hätte er klare Größenvorteile, allerdings muss er wohl defensiv auch gegen LeBron James mithelfen.

IMAN SHUMPERT: Aus dem Knicks-Knast befreit entwickelt sich der Defensiv-Spezialist mit der waagerechten Frisuren-Vorliebe zum Leistungsträger der Cavs. Neben seiner aggressiven Arbeit gegen den Ball wird er auch offensiv immer gefährlicher. In sechs seiner vergangenen acht Playoff-Spiele punktet der 24-Jährige zweistellig und trifft gegen Atlanta ordentliche 43 Prozent seiner Dreier. Trotzdem kommt ihm als wohl primärer Verteidiger gegen Curry vor allem defensiv eine Schlüsselrolle zu. Vorteil Golden State (2:0).

SMALL FORWARD – HARRISON BARNES: Nicht wenige Experten sehen in dem eleganten aber bisweilen phlegmatischen früheren Tar Heel einen entscheidenden Faktor der Serie. Er muss LeBron so gut es geht Paroli bieten – defensiv wird das schwierig, aber er wird Hilfe bekommen. Er muss konstant Rebounds holen und so gut treffen wie in den Conference-Halbfinals gegen Memphis (54,4 Prozent aus dem Feld) oder in Spiel 5 gegen Houston (24 Punkte), denn ihn wird Cleveland freier stehenlassen als Curry oder Thompson.

LEBRON JAMES: Dem Superstar der Cavs ist er aber natürlich unterlegen – wie jeder andere NBA-Profi. Der „King“ zieht in den Playoffs mit 27,6 Punkten, mehr als zehn Rebounds, über acht Assists und fast zwei Steals eine gigantische One-Man-Show ab. Ohne Kevin Love und mit dem angeschlagenen Kyrie Irving braucht er Monster-Finals mit vielen Punkten und Assists. Die schwache Playoff-Dreierquote (17,6 Prozent) sollte schon deutlich ansteigen. Ein Schlüssel: er darf sich defensiv nicht zu stark aufreiben. Seinen Saisonrekord (42 Zähler) stellt der „King“ gegen Golden State auf. Vorteil Cleveland (2:1).

POWER FORWARD – DRAYMOND GREEN: Die Allzweckwaffe der Warriors entwickelt sich 2014/15 zu einem veritablen NBA-Starter und muss sich bei der Wahl zum Most Improved Player nur Chicagos Jimmy Butler beugen. Für einen Power Forward eigentlich zu klein, macht er diesen Nachteil mit unglaublich viel Leidenschaft und Kampfgeist wett. In den Playoffs ist er sogar noch stärker (Schnitt: 14 Punkte, 10,8 Rebounds). Der emotionale Leader steht als einer der Hauptverteidiger gegen James aber auch vor einer Herkulesaufgabe.

TRISTAN THOMPSON: Der Ausfall von Love in Runde 1 gegen Boston tut den Cavs richtig weh, aber Thompson hat sich als Nachrücker gut eingegroovt. Wollen die Cavs Cleveland den ersten großen Titel seit 1964 bescheren, braucht der junge Kanadier eine Top-Serie. Vor allem am offensiven Brett kann er den Warriors mit seiner Länge schaden – gegen Atlanta und Chicago holt er im Schnitt elf Rebounds. Green könnte mit seiner Kombination aus Athletik und Größe vorn und hinten Probleme bekommen. Geht Cleveland klein, kann er auch neben James als Center spielen. Offensiv fehlt ihm die Dreierdimension von Green und Love. Vorteil Golden State (3:1).

CENTER – ANDREW BOGUT: Der Australier ist so fit wie lange nicht mehr und beweist gegen Houston, dass er jedem Center der NBA das Leben zumindest schwer machen kann. Mehr als neun Rebounds und fast zwei Blocks unterstreichen seinen Wert in der Defensive. Unterschätzt wird oft seine Übersicht: viermal gibt er in den Playoffs mindestens vier Assists. Gerade weil die Cavs das Brett attackieren werden, ist der Routinier in den Finals wichtig.

TIMOFEI MOSGOW: Der während der Saison aus Denver losgeeiste Russe spielt zwar in den vergangenen beiden Serien nur zweimal länger als 26 Minuten, aber in den Finals ist er am Brett gefordert, um die Rebound-Schwächen der Warriors auszunutzen. Im Duell mit Bogut und als Hindernis in der Mitte für Curry und Co. werden seine Abräumerqualitäten (1,9 Blocks in den Playoffs) gefragt sein. Als Scorer soll und muss er kein Faktor sein. Remis (4:2).

SIXTH MAN – ANDRE IGUODALA: Seine geballte Erfahrung aus NBA und Nationalteam (Olympiasieger 2012, Weltmeister 2010) und immer noch große Qualität in der Verteidigung bringt „Iggy“ von der Bank der Warriors. Auch der inzwischen 31-Jährige wird seine Chance gegen James bekommen. Von allem ein bisschen ist sein Motto. Er ist zwar in der Offensive nicht mehr so stark involviert, aber ein Problem könnten seine schwachen Quoten von der Dreierlinie (31,9 Prozent) und der Freiwurflinie (45,9 Prozent) werden.

J.R. SMITH: Auch der abgezockte Shooter erlebt nach dem Abschied von den Knicks eine Renaissance. Gegen die Warriors muss er ballern bis der Arzt kommt und treffen wie in den Ost-Finals. Gegen Atlanta versenkt er starke 47,5 Prozent seiner Dreier. Diese Dimension brauchen die Cavs, um mit dem Scoring der Warriors mitzuhalten. Es sind zwar seine ersten Finals, aber bei den Rotationsspielern der Cavs gehört er trotzdem mit zehn NBA-Jahren zu den erfahrenen Köpfen, die das Team tragen müssen. Wehe, wenn J.R. einen seiner berüchtigten Läufe erwischt. Vorteil Cleveland (4:3).

X-FAKTOR – SHAUN LIVINGSTON: Seine Zahlen stechen wahrlich nicht hervor, aber der erfahrene Combo-Guard könnte durchaus entscheidenden Einfluss auf die Serie nehmen. Mit seinen langen Armen und den flinken Beinen könnte er speziell Irving ziemlich wehtun. In den Playoffs treffen Kontrahenten gegen ihn nur 31 Prozent ihrer Würfe. Vorn macht er kaum Fehler, kennt seine Aufgabe. Das ohnehin irre Offensiv-Rating der Warriors ist mit ihm auf dem Court sogar höher.

MATTHEW DELLAVEDOVA: Wenn du von Lebron James höchstpersönlich als härtester Spieler des Teams gelobt wirst, sagt das etwas aus. Der giftige Australier gibt immer Vollgas und hat seine Nische als Ersatzspielmacher der Cavs gefunden. In gewisser Weise ist er Currys böser Zwilling. Auch „Delly“ kämpft sich gegen viele Widerstände in die NBA. Er ist der Bad Boy, der Chicagos Taj Gibson und Atlantas Al Horford entnervte und zumindest bei Kyle Korver eine Verletzung in Kauf nahm. Zudem hat er auch einen vernünftigen Dreier. Remis (5:4).

COACH – STEVE KERR: Der einstige Scharfschütze ohne jegliche Trainererfahrung bringt ein gutes Team auf das nächste Level. Dank seiner fünf Titel an Michael Jordans Seite und unter Gregg Popovich genießt er bei der heutigen Spielergeneration eine immense Akzeptanz und nimmt seinen Warriors mit der Spaß-Philosophie den Druck. Zudem optimiert er Abläufe und hat die Verteidigung aggressiver und stärker gemacht.

DAVID BLATT: Der Euroleague-Champion von 2014 hat sein Profil in der NBA noch nicht schärfen können. Schlimmer noch: In Spiel 4 der Serie gegen Chicago ändert LeBron James dem von ihm angesagten Spielzug noch im Huddle und stellt damit klar, wer der Boss in Cleveland ist. Kurz zuvor hätte er das Spiel beinahe vergeigt, weil er eine Auszeit nehmen wollte, die er gar nicht mehr hatte. Co-Trainer Tyronn Lue hielt ihn gerade noch zurück. Immerhin leistet sich Blatt gegen Atlanta keine Patzer. Vorteil Golden State (6:4 und Sieg für Golden State).