„Heilige Scheiße …“ – besser hätte er es nicht auf den Punkt bringen können.

Etwas mehr als zwei Minuten dauerte ein Interview mit Jalen Brunson nach dem großen Triumph. Viel mehr Inhalt außer diesen zwei Worten konnte der frisch gebackene NBA-Champion der New York Knicks kurz nach Spielende jedoch nicht liefern. Das musste er allerdings auch nicht. Der Held im orangeblauen Gewand hatte einmal mehr seine Taten sprechen lassen.

Jalen Brunson hat sich ein Denkmal in New York geschaffen
Jalen Brunson hat sich ein Denkmal in New York geschaffenJalen Brunson hat sich ein Denkmal in New York geschaffen© IMAGO/ZUMA Press

Nach 53 Jahren hat Brunson die Traditionsfranchise aus der Weltstadt wieder zum Meister gemacht. Nicht im Alleingang, aber fast – so viel wie es in einem Teamsport eben möglich ist. Im entscheidenden fünften Spiel war Brunson mit 45 Zählern für beinahe die Hälfte der 94 Knicks-Punkte verantwortlich, dabei standen neben ihm noch zehn weitere Spieler auf dem Parkett.

Der Hauptdarsteller der jüngsten Ausgabe des klassischen Underdog-Epos‘ bleibt aber der 29-Jährige, der in New York wohl auf Lebenszeit nicht mehr bezahlen muss, wenn er in der Stadt unterwegs ist. Brunson hat sich im sprichwörtlichen Sinne ein Denkmal errichtet. Gut möglich, dass ihm vor dem prestigeträchtigen Madison Square Garden in New York sogar einmal wirklich eines gewidmet wird.

Eine schlecht gealterte Einschätzung

Dabei hatte sich das eigentlich nie angedeutet. In der Sportart der Riesen wurde Brunson, der mit seinen 1,88 Metern Körpergröße keineswegs ein Zwerg ist, während seiner bisherigen Laufbahn durchwegs von Zweifeln begleitet. Vor allem die Größe wurde von Experten immer wieder als das Hauptargument angeführt.

„Am Ende des Tages fehlt ihnen der 1A-Spieler. Er ist zu klein“, lautete eine Einschätzung von Hall-of-Famerin Becky Hammon im Jahr 2023. Heute, drei Jahre später, gehört dieses Zitat in die Kategorie „schlecht gealtert“, doch damals teilten viele Kenner diese Sicht. Hammon, die – wenn auch interimsweise – erste weibliche Trainerin in der NBA-Geschichte, war mit ihrer Meinung nicht allein. Nur deshalb landete Brunson überhaupt in New York.

Die Mavericks wussten nicht, was sie an Brunson hatten

Gedraftet wurde er 2018 nämlich von den Dallas Mavericks, bei denen sich der Zweitrundenpick schnell als echter Glücksgriff erwies. Als klare Nummer zwei auf der Spielmacherposition hinter einem gewissen Luka Doncic ließ Brunson schon damals erkennen, wozu er imstande ist. Doch mit Ablauf seines Rookievertrags im Sommer 2022 entschied sich Dallas gegen eine Verlängerung zu den gewünschten Bezügen, die aus heutiger Sicht ein Schnäppchen gewesen wäre. Die Knicks rieben sich die Hände und griffen zu.

Der Rest ist Geschichte. Er hat alle seine Kritiker Lügen gestraft und den Beweis, dass es am Ende nicht auf die Körpergröße ankommt, geliefert. Wer in den NBA-Finals gegen eine der besten Defensiven der Liga durchschnittlich 33 Punkte pro Spiel auflegt, ist eine 1A-Lösung – eigentlich sogar mehr, wenn sich der Terminus noch steigern ließe.

Nicht einmal jetzt gibt Brunson diesem Thema eine Bühne

Passenderweise reckte der Point Guard seine Finals-MVP-Trophäe gemeinsam mit dem Championship-Pokal im AT&T Center in San Antonio in die Höhe. Ausgerechnet in der Halle, in der das Trikot seiner großen Kritikerin Hammon unter dem Dach hängt. Vor ihrer Zeit als Trainerin wurde sie in der WNBA bei den San Antonio Silver Stars zum Mitglied der Hall of Fame.

Jalen Brunson reckt die Finals-MVP-Trophäe in die Höhe
Jalen Brunson reckt die Finals-MVP-Trophäe in die HöheJalen Brunson reckt die Finals-MVP-Trophäe in die Höhe© IMAGO/Xinhua

Selbstverständlich wollten die anwesenden Journalisten vom Mann der Stunde wissen, wie er jetzt – nachdem er es allen bewiesen hat – zu der Kritik steht. Doch Brunson schenkte dem Ganzen keine Bühne. „Ich habe damals nicht darauf geantwortet, und ich werde verdammt noch mal auch jetzt mit Sicherheit nicht darauf reagieren“, lautete die Antwort.

Mit Worten muss Brunson auch niemanden mehr überzeugen. Das hat er bereits mit Taten erledigt.