Mit Daniel Hemetsberger und Matthias Mayer hat der Österreichische Skiverband beim Weltcup-Auftakt zwei Podestplätze eingefahren. Vincent Kriechmayr verpasste mit Platz vier im Super-G das Treppchen nur knapp.
Damit überzeugte der Verband bereits mit guten Leistungen. „Kriechmayr und Mayer sind grundsätzlich sowieso auf jeder Strecke dieser Welt für einen Sieg gut. Und wenn Hemetsberger den Flow von Lake Louise mitnimmt, ist ihm auch einiges zuzutrauen“, sagt der ehemalige österreichische Weltmeister Hannes Reichert in der Kronenzeitung.
Viel mehr Sorgen macht sich der 42-Jährige um den fehlenden Nachwuchs. „Es ist ein Wahnsinn, wenn man sich die Startliste anschaut: In der Abfahrt von Lake Louise waren vier Österreicher in den Top 30, im Super-G fünf“, sagt der Ex-Ski-Star. „Das ist für eine Ski-Nation wie Österreich ein Trauerspiel“, fügt er hinzu.
Reichelt: „Das muss man wirklich hinterfragen“
Grund dafür sieht er im Fokus auf die Top-Starter. „Da muss man wirklich mal hinterfragen, was da in den vergangenen Jahren falsch gelaufen ist. Das fällt schon noch in meine Zeit, die ich miterlebt habe. Da gab und gibt es Trainer, die nur auf ihre Top-Läufer schauen und die Jungen wenig herankommen lassen. Sie schwimmen mit dem Erfolg von den Top-Läufern, und dahinter kommt die Sintflut“, kritisiert er den Österreichischen Verband.
Das zeigt sich auch auf dem Papier. Seit Marcel Hirscher 2019 zurückgetreten ist, gab es keinen Weltcupsieg mehr im Riesenslalom. Auch sieht man, dass gar Deutschland mehr Athleten in den Top 30 stellt als der ÖSV.
„Bei uns ist auf die jungen Läufer viel zu wenig geschaut worden. Das ist kein Vorwurf gegen die Jungen, sondern da muss man wie im Fußball die Trainer zur Verantwortung ziehen, was die da gemacht haben in den letzten Jahren. Als ehemaligem Läufer kommen mir da fast die Tränen“, sagt Reichelt enttäuscht.