Viermal gingen die Skispringer bisher von den Schanzen, viermal waren die Norweger nur Statisten. Das so erfolgsverwöhnte Team befindet sich in der größten sportlichen Krise seit langer Zeit.
Dieses Bild könnte sich in den kommenden Jahren verfestigen, denn der norwegischen Skisprung-Sektion sind bereits massiv die Gelder gekürzt worden.
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Laut einem Bericht des norwegischen Senders TV2 wurden Halvor Egnar Granerud und Co. bereits in diesem Winter zehn Millionen Kronen (umgerechnet etwas mehr als 850.000 Euro) gestrichen. „Alle müssen viele, viele Stunden mehr arbeiten, als sie sollten. Da bleibt nicht viel übrig, um die Leute auszulasten“, schilderte Nationaltrainer Alexander Stöckl TV2.
Norwegen-Skispringer drohen mit der Spaltung
Doch es könnte noch dicker für das Spitzen-Team kommen. Im Raum stehen laut dem Bericht des norwegischen Senders noch weitere Kürzungen. Eine ursprünglich für Ende November angekündigte Budget-Entscheidung sei jedoch verschoben worden.
Eine Entscheidung soll nun am 19. Dezember fallen. Dort drohen weitere Kürzungen, auch für die Skispringer. „Wenn wir Leute entlassen müssen, dann sind wir am Ende“, warnt Stöckl die Funktionäre und ergänzt, „dann haben wir nichts, womit wir weitermachen können.“
Stattdessen fordert er den Verband auf, endlich einen Hauptsponsor zu finden: „Wir müssen dafür sorgen, dass wir unser Budget aufstocken, und wir müssen dafür sorgen, dass wir vielleicht im Laufe der Zeit auch mehr Mitarbeiter bekommen, die dann daran arbeiten können, dass wir auch in Zukunft Skispringen gewinnen.“
Sollte es keine Besserung geben, könnte es zu einem großen Knall kommen. Laut Stöckl beschäftigt sich Teammanager Clas Brede Brathen mit einer möglichen Abspaltung vom norwegischen Verband. „Ich kenne die Hintergründe nicht, aber ich denke, es wäre möglich“, wiegelt der gebürtige Österreicher ab.
Skispringen: Norwegen träumt von deutschen Voraussetzungen
Sein Vorbild ist dabei die deutsche Mannschaft, die derzeit mächtig absahnen. In allen vier Wettkämpfen stand mindestens ein DSV-Adler auf dem Podest und kratzte somit regelmäßig am Sieg.
Als Grund nennt er die deutlich höheren Ressourcen bei den Konkurrenten. „In Ruka hatten wir insgesamt sieben Leute im Betreuungsteam – einschließlich des Sportdirektors und des Medienmanagers. Die Deutschen waren zwischen 15 und 20″, erläutert Stöckl.
Zudem würde er sich auch mehr Zentralisierung wünschen. Das fängt schon bei der Bekleidung an, denn „sie kommen alle mit der gleichen Jacke, vom gleichen Bekleidungshersteller.“ In Norwegen ist jedoch anders, wie nicht zuletzt der Zoff zwischen dem Verband und Alpin-Star Lukas Braathen bewiesen hat.
Doch trotz der schwierigen Voraussetzungen betont der erfahrene Trainer, dass sein Team in der Saison absolut konkurrenzfähig sei. Der sechste Platz von Marius Lindvik am Sonntag – das bisher beste Ergebnis eines Norwegers in diesem Winter – stimmt Stöckl zuversichtlich.