Eigentlich schien Marco Odermatt als Super-G-Sieger von Gröden längst festzustehen. Dann sorgte Jan Zabystran mit der Startnummer 29 für den großen Paukenschlag. Der Tscheche war bereits in den ersten Sektoren auf Augenhöhe mit Odermatt und krönte seinen rasanten Ritt mit einer überlegenen Bestzeit im finalen Sektor, die zum Sieg reichte.
Mit seiner aggressiven und fast fehlerfreien Fahrt sorgte der 27-Jährige auch in der Kommentatoren-Kabine von Eurosport für große Begeisterung. „Er brennt einen runter, dass alles zu spät ist“, staunte Kommentator Guido Heuber kurz vor der Zieleinfahrt des Tschechen. „Das ist die Sensation des Tages“, pflichtete ihm Experte Alexander Köll bei.
„Woah Bestzeit, ich spinn, ja Wahnsinn“, rief der ehemalige österreichische Ski-Profi, als im Ziel die Bestzeit aufleuchtete. „Jan, du bist ein Teufelsbraten, das war die Fahrt deines Lebens“, pflichtete Heuber bei.
Zabystran schreibt Geschichte: „Es ist wundervoll“
Zabystran war auf Weltcup-Ebene bis dato noch nicht an vorderster Front vorzufinden. Sein bestes Ergebnis war zuvor ein achter Platz im März 2025. Sein Sieg in Gröden ist jedoch nicht nur für ihn ein Meilenstein, sondern für den gesamten tschechischen Skisport. Noch nie war es einem Tschechen gelungen, im Herren-Weltcup auf Platz eins zu rasen. Bisher hatten im Weltcup nur Frauen des Landes gewonnen: Die auch als Snowboarderin erfolgreiche Olympiasiegerin Ester Ledecka (4) – und die ehemalige Slalom-Spezialistin Sara Zarobska (2), später verheiratete Strachova. Eine Podestplatzierung tschechischer Männer war bislang nur Ondrej Bank gelungen, zuletzt 2015 in Kitzbühel.
Folgerichtig kannte die Freude bei Zabystran keine Grenzen. „Ins Ziel zu kommen und das grüne Licht aufleuchten zu sehen, ist wundervoll. Der erste tschechische Sieger zu sein, ist auch fantastisch. Ich habe immer geträumt, mal ganz oben zu stehen“, zeigte er sich im Interview mit dem ZDF überglücklich. „Es fühlt sich so unwirklich an.“
An den Moment der Zieldurchfahrt wird sich der frischgebackene Weltcup-Sieger wohl immer erinnern. „Ich habe mich gut gefühlt und die Fans jubeln gesehen. Da dachte ich, ok, vielleicht Top 10 und dann habe ich mich umgedreht und das grüne Licht gesehen. Das ist etwas Besonderes“, genoss er seinen Erfolg in vollen Zügen.
Deutsche Fahrer bei Zabystran-Coup nur Statisten
Zabystran gewann das Weltcup-Rennen mit 17 Hundertstel Vorsprung auf Marco Odermatt, der am Vortag die Abfahrt für sich entscheiden konnte. Platz drei belegte der Italiener Giovanni Franzoni.
Bester DSV-Starter war Routinier Romed Baumann, der als 17. die Teil-Qualifikation für die Olympischen Winterspiele knapp verpasste. Mit Simon Jocher kam ein weiterer Deutscher als 29. in die Weltcup-Punkte.
Die Saslong ist so berühmt wie berüchtigt dafür, dass aufgrund der Sonneneinstrahlung Läufer mit hohen Startnummern bisweilen einen Vorteil haben: Zabystran, in 56 Weltcup-Rennen zuvor nur einmal unter den ersten zehn platziert, nutzte diese Besonderheit und die Gunst der Stunde mit Startnummer 29 perfekt aus.