Sein großes Comeback sollte das Gesprächsthema der Wrestling-Woche sein – und ist es nun auch, aber anders als gedacht.
WWE-Rivale AEW und Medienpartner Warner Brothers Discovery wollten am Mittwoch die Rückkehr von Topstar CM Punk enthüllen – stattdessen fehlte er überraschend in der Ankündigung der neuen Show Collision, die eigentlich um ihn aufgebaut werden soll. (NEWS: Alle Neuigkeiten zum Thema AEW)
Laut übereinstimmenden Medienberichten ist mittlerweile klar: Es gibt einen neuen Konflikt zwischen Punk und den Verantwortlichen um Ligaboss Tony Khan. Stein des Anstoßes: die künftige Rolle seines zwischenzeitlich gefeuerten Vertrauten Ace Steel.
Inzwischen kommen hierzu immer mehr Details ans Tageslicht – die immer mehr Fragen aufwerfen.
Gefeuerter Vertrauter CM Punks ist zurück bei AEW
Am Freitag bestätigte der bekannte Journalist Dave Meltzer in seinem Wrestling Observer Newsletter, dass Khan Steel schon vor einer Weile wieder an Bord geholt hat. Punk hätte es offenbar zur Bedingung für sein Comeback nach dem Eklat um seine Wut-PK und Backstage-Prügelei im vergangenen Herbst gemacht.
Steel war danach entlassen worden, weil er bei dem Handgemenge mit den Liga-Vizes Nick und Matt Jackson (The Young Bucks) und Kenny Omega besonders heftig mitgemischt haben soll: Steel – emotional geladen dadurch, dass er seine im Raum anwesende Frau in Gefahr sah – soll Omega in den Arm gebissen und Nick Jackson einen Stuhl „hart“ an den Kopf geschlagen haben.
Schon in dem lange schwelenden Streit, der die Eskalation beim Pay Per View All Out verursacht hatte, war Steel eine Schlüsselfigur: Die internen Gegner Punks stehen unter dem Eindruck, dass dieser bei Khan die Einstellung seines früheren Coachs und Tag-Team-Partner erbeten hätte – und die Ausbootung seines ehemals besten Freundes Colt Cabana, mit dem er sich vor Jahren schwer verkracht hatte.
Steel hatte bei AEW als Backstage-Producer angefangen, kurz nachdem Cabana, der denselben Job hatte, zwischenzeitlich nicht mehr eingesetzt worden war. Khan und Punk hatten den Vorwurf, dass Punk dabei die Finger im Spiel gehabt hätte, zurückgewiesen. Viele in der AEW-Kabine sollen ihnen aber keinen Glauben schenken.
Ace Steels Wiedereinstellung soll Stars „geschockt“ haben
Entsprechend brisant war Steels Rückkehr vor diesem Hintergrund – dem Observer zufolge wurde sie als Geheimsache weniger Eingeweihter behandelt. Steels Rückkehr sei auch unter der Hand aktiv dementiert worden, als vor Wochen erste Hinweise in Journalistenkreise gedrungen seien.
Vor zwei Wochen schließlich hätten laut Meltzer erste Schlüsselpersonen in der AEW-Kabine von dem Vorgang erfahren „und sie waren geschockt“.
Das Problem, das sich nun kurz vor der geplanten Verkündung von Punks Comeback bei der Messeveranstaltung Upfront in New York aufgetan haben soll: Punk und Steel sollen unter dem Eindruck gestanden haben, dass Steel in seine alte Rolle als Producer zurückkehren und bei Collision mit Punk „on the road“ gehen würde.
Khan jedoch hätte ihnen am Dienstag mitgeteilt, dass Steel den Shows fernbleiben und nur Remote-Arbeit leisten sollte. Damit sei Punk nicht einverstanden gewesen „und alles ist auseinandergefallen“.
Khan ist nun bemüht, den Streit bis zum kommenden Mittwoch zu klären (auch Punk soll gesprächsbereit sein): AEW will bei der kommenden Ausgabe der Show Dynamite verkünden, wo die erste Collision-Übertragung am 27. Juni stattfinden soll. Geplant ist eine große Comeback-Show Punks in seiner Heimatstadt Chicago – sollte es keine Wiederannäherung geben, dürfte Khan die Sendung an einen anderen Ort verlegen: Ein Collision-Debüt in Chicago ohne Punk wird den Fans vor Ort nicht vermittelbar sein.
Auch der Verdacht eines PR-Stunts steht im Raum
Eine zusätzliche Ebene der Geschichte: Meltzer stellt als Möglichkeit in den Raum, dass die geplatzte Punk-Enthüllung auch ein „Work“ sein könnte, ein von Khan und Punk gemeinsam ausgeheckter Publicity-Stunt.
In diesem Zusammenhang verkündet Meltzer dabei auch beiläufig als inzwischen klaren Fakt, dass der scheinbar reale Streikdrohungs-Eklat um Jungstar MJF um den Pay Per View Double or Nothing vor einem Jahr genau das gewesen sei: Der Geheimplan von Khan und MJF sei gewesen, damit später einen World-Title-Gewinn von MJF gegen Punk einzuleiten. Zur Vollendung der von der früh verstorbenen Legende Brian Pillman inspirierten Story sei es wegen Punks Verletzungen im vergangenen Jahr nur nie gekommen.
Zu beachten ist: Bis jetzt ist reine Spekulation, ob hinter den Worten um Punk eine ähnliche Volte steckt. Und es würde auch nicht heißen, dass der ursprüngliche Punk-Eklat des vergangenen Herbst ein Fake war. Dieser war in jedem Fall echt, was unter anderem daran abzulesen ist, dass Punk und die Liga juristische Schritte eingeleitet und Anwälte eingeschaltet haben.
Die auch von den Interessen Warners beförderten Comeback-Verhandlungen sind der Versuch, den großen, verworrenen Konflikt im Sinne aller beizulegen und wieder ins Geschäft zu kommen: Punk sollte eine auf ihn zugeschnittene Show bekommen, in der er für den Moment von den Stars ferngehalten werden sollte, mit denen er verkracht ist.
Es ist nicht das erste Mal, dass es bei diesem Vorhaben zu Rückschlägen kommt. Endet es trotzdem erfolgreich? Dahinter stehen nun wieder neue Fragezeichen …