Diese beiden Spiele werden für Bayern-Star Alphonso Davies sicher ein ganz besonderes Erlebnis.
Der kanadische Linksverteidiger kehrt mit der Nationalmannschaft für zwei WM-Qualifikationsspiele erstmals in seine Heimatstadt Edmonton zurück.
Die Kanadier treffen in der Nacht von Freitag auf Samstag im Commonwealth Stadium auf Costa Rica und vier Tage später auf Mexiko. Beide Spiele sind schon lange ausverkauft. Es werden über 40.000 Zuschauer erwartet.
2015 verließ Davies Edmonton in Richtung Vancouver, um sich seinen Traum, Fußballprofi zu werden, zu erfüllen.
Dies hat er eindrucksvoll geschafft. Er krönte sich mit seinen mittlerweile 21 Jahren schon zum jüngsten je eingesetzten Spieler in der MLS, zum ersten kanadischen Nationalspieler, der die Champions League gewinnen konnte, und als erster Fußballer überhaupt zu Kanadas Sportler des Jahres.
Erstes Pflichtspiel in Heimatstadt Edmonton
Jetzt, knapp sechs Jahre später, schließt sich für Davies mit der Rückkehr in die Stadt, in die er als fünfjähriger Flüchtling gekommen war, ein Kreis. „Für mich persönlich sind die Spiele wie eine Rückkehr nach Hause. Seitdem ich Edmonton verlassen habe, ist das das erste Mal, dass ich hier trainieren werden und ein Spiel in meiner Stadt spielen werde“, sagte Davies in einem Zoom-Call für kanadische Medien aus München.
Das Spiel wird Davies erster Einsatz in Edmonton seit 2014, als er als Kind bei einem Spiel spielte, „bei dem die Fans ihre eigenen Stühle mitbringen mussten“.
Unter den 40.000 Zuschauern werden auch die Eltern des Bayern-Verteidigers sein. Es wird das erste Spiel von Davies auf kanadischen Boden vor den Augen seiner Eltern Debeah und Victoria sein, seitdem er die Vancouver Whitecaps in Richtung München verlies. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der WM-Qualifikation)
„Leider konnte ich beim letzten Länderspiel nicht spielen, weil ich mich leicht verletzt habe. Deshalb freue ich mich natürlich jetzt noch umso mehr, auch vor meiner Familie zu spielen und dass sie mich im Nationaltrikot spielen sehen können.“
Seine Familie hätte schon bei Kanadas letztem WM-Qualifikationsspiel auf kanadischen Boden dabei sein sollen, Davies verletzte sich aber am Fuß und musste nach München zurückreisen.
Als Kind landete Davies zufällig im vollen Stadion
Mit der Spielstätte, dem Commonwealth Stadium, ist Davies zumindest aus seiner Jugend vertraut. In der Medienrunde erzählte er eine Anekdote aus seiner Jugend, als der 10-jährige Phonzie zufällig mitten in das für ein Football-Spiel des 2010er Grey Cups prall gefüllte Stadion lief.
„Ich weiß gar nicht mehr, wie ich in das Stadion gekommen bin, weil ich eigentlich gar kein Ticket hatte. Ich bin allein vom Fußballtraining neben dem Stadion nach Hause gegangen und einfach mal ins Stadion gelaufen und habe fünf Minuten zugeschaut. Dann bin ich aber gegangen, weil es mich nicht wirklich interessiert hat.“
Bewusst erlebte Davies die Stimmung im prall gefüllte Commonwealth Stadion bei zwei Spielen der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft 2015.
„Ich glaube, das wird ein wahnsinniges Erlebnis. Ich habe die Stimmung schon bei der Frauen WM erlebt“, erinnert sich Davies. „Das war wirklich atemberaubend. Ich hoffe, dass das bei unseren Spielen genauso wird. Ich freue mich wirklich darauf, wenn das Stadion zum Leben erweckt wird. Immer, wenn ich daran denke, muss ich schon jetzt grinsen.“
Kanada mit Chance auf erste WM seit 1986
Für Davies geht es bei seiner Rückkehr in die Heimatstadt aber um viel mehr als nur um ein Schaulaufen vor heimischer Kulisse. Er hat mit seinem Team die historische Chance, sich für eine Fußball-Weltmeisterschaft zu qualifizieren.
Die Mannschaft von Trainer John Herdman liegt nach sechs von 14 Spielen aktuell ungeschlagen auf dem dritten Rang der CONCACAF Qualifikation zur WM 2022 in Katar. Die ersten drei qualifizieren sich direkt für die WM, der Vierte hat über die Playoffs noch die Chance. (DATEN: Tabellen der WM-Qualifikation)
Mit Tabellenführer Mexiko und dem aktuell fünften Costa Rica treffen die Kanadier auf zwei direkte Konkurrenten. Eine erfolgreiche Qualifikation würde die erste Teilnahme für Kanada an einer WM seit der sieglosen Teilnahme bei der WM 1986 in Mexiko bedeuten.
Eine Teilnahme an der WM würde Davies auch helfen, sich gegen Sprüche seiner Bayern-Teamkollegen in der Kabine zu wehren, die mit ihren Nationen regelmäßig bei großen Turnieren spielen.
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„Meine Teamkollegen spielen alle für große europäische Nationen und bei den großen Turnieren und manchmal ist das für mich schon hart, wenn sie mich aus Spaß damit aufziehen. Auch wenn es Spaß ist, nehme ich das ein wenig persönlich. Von daher wäre es schon schön, wenn wir uns qualifizieren könnten, am besten gegen einige Teamkollegen spielen und ihnen zeigen könnten, dass wir mit ihnen mithalten können.“
Davies spricht als 17-Jähriger vor FIFA-Kongress
Spätestens in fünf Jahren wird Davies sich bei einem großen Turnier mit seinen Mannschaftskameraden messen können. Die WM 2026 findet nämlich in den USA, Mexiko und Kanada statt. Als Gastgeber werden Davies und Co. automatisch qualifiziert sein.
Dass die WM überhaupt in Kanada stattfindet, daran ist Davies nicht ganz unbeteiligt.
Beim Bewerbungsprozess um die WM hatten die drei Verbände zu einer Vorstellung ihres Konzepts 2018 in Moskau auch drei Jugendspieler aus den drei Bewerbernationen mit dabei. Diese sollten beim FIFA-Kongress berichten, was die WM für ihr jeweiliges Land und für sie persönlich bedeuten würde.
Für Kanada flog der damals 17-jährige Alphonso Davies aus Edmonton mit nach Russland und hielt vor dem Kongress eine Rede.
„Ich war da 17 und dementsprechend war es wirklich sehr nervenaufreibend vor dem FIFA-Kongress eine Rede zu halten. Vor all diesen Menschen zu stehen und ihnen zu erzählen, warum die WM in dein Land und auch in deine Heimatstadt kommen soll, war sehr aufregend. Dadurch, dass wir die WM bekommen haben, war es das natürlich wert.“
Wer den aufgeweckten Alphonso Davies von all seinen öffentlichen Auftritten kennt, kann sich vorstellen, wie charismatisch wohl auch seine damalige Rede gewesen sein muss.
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nCAPTION: Best of Alphonso Davies: Bayerns Entertainer, Tänzer und Kommentator
nDESCRIPTION: Entertainer, Tänzer, Stilikone: Alphonso Davies ist beim FC Bayern Frontmann der Spaßfraktion. Einer, der in der Kabine immer gute Laune verbreitet – und auf dem Platz Vollgas gibt.
Vielleicht hat gerade diese auch einen entscheidenden Teil dazu beigetragen, dass die Länder den Zuschlag bekamen.
Davies hofft auf Push für kanadischen Fußball
Auf die WM im eigenen Land und mögliche WM-Spiele in seiner Heimatstadt Edmonton freut sich der Bayern-Verteidiger natürlich schon sehr. „Dass WM-Spiele in Edmonton stattfinden, bringt mich schon jetzt zum Lächeln. Das ist eine große Sache, nicht nur für die aktuelle Generation, sondern gerade für die zukünftige Generation Albertas (kanadische Provinz, d. R.).“
Davies ist sich sicher, dass die WM „viele Generationen von jungen Fußballern inspirieren wird“.
Auch deshalb sei er extrem stolz darauf, dass er mit seiner Rede vor dem FIFA-Kongress seinen Teil dazu beigetragen habe, dass die WM nach Kanada kommt. „Ich hoffe, dass ich damit viele junge Spieler motivieren konnte, dass sie versuchen ihre Träume zu erfüllen.“
Davies selbst hat sich in seiner Karriere schon viele Träume erfüllt.
Mit zwei Siegen vor heimischem Publikum in seiner Heimat Edmonton, könnte er mit seinem Team einen enormen Schritt machen, sich seinen Traum einer WM-Teilnahme, schon im kommenden Jahr, zu erfüllen. Das würde seine Rückkehr nach Edmonton sicher noch ein ganzes Stück emotionaler machen.