Trotz WM-Führung schrillten bei Lewis Hamilton nach dem Baku-GP die Alarmglocken: Der Weltmeister wusste, dass der Sieg nicht dem Speed seines Mercedes, sondern einer glücklichen Verkettung von Umständen geschuldet war.
„Wir sind immer noch hinten. Am Samstag wäre Kimi beinahe auf Pole gefahren. Er war vom Speed her nochmal um zwei Zehntel schneller als Sebastian. Das schiere Tempo des Ferrari ist deutlich besser als unseres“, sagte Hamilton.
Der Brite war in Baku bereits am zweiten Rennwochenende in Folge chancenlos und konnte die Pace der Schnellsten nicht mitgehen – weder im Qualifying noch im Rennen. (SERVICE: Die Fahrer-Wertung)
Mercedes schwächelt im Qualifying
Vor allem die Schwäche im Qualifying – nur eine Pole in vier Rennen – von Mercedes überrascht. Jahrelang dominierten man den Samstag nach Belieben und holte in 79 Rennen in den vergangenen vier Jahren 72 Poles.
Kein Wunder angesichts des Motorenvorteils, den die Silberpfeile mit ihrem sogenannten Party-Modus erzielen konnte. Doch in dieser Saison kontert Ferrari diesen scheinbar mühelos.
Esteban Ocon, der zuletzt mit dem Red-Bull-Piloten aneinander geriet, hat einen Job. Das Formel-1-Märchen des Robert Kubica ist perfekt. SPORT1 zeigt das F1-Fahrerkarussell.
Auch im Rennen in Baku fuhr Sebastian Vettel seinem WM-Rivalen Hamilton nach dem Start spielend davon. Nachdem sich der Ferrari-Star einen komfortablen Vorsprung verschaffte hatte, begann er das Rennen zu kontrollieren.
„Es ist das erste Mal seit Beginn der Hybrid-Ära, dass Mercedes den Gegnern nicht technisch überlegen ist – sie sind wahrscheinlich in der Hackordnung das zweitbeste Team“, mutmaßt F1-Boss Ross Brawn.
Neustart für Silberpfeile in Barcelona
Die gute Nachricht für Mercedes: Trotz des schwierigen Saisonstarts führt ihr Top-Pilot Hamilton die WM an und in der Teamwertung liegt man nur vier Punkte zurück – auch wenn dies einer gehörigen Portion Glück zu verdanken ist. (SERVICE: Die Team-Wertung)
Mit der Ankunft in Europa erhalten die Silberpfeile nun zudem die Chance, zurückzuschlagen. In Barcelona treten die Teams mit ihren überarbeiteten Autos an, was Hamiltons Hoffnung nährt, dass die eine oder andere Schwachstelle ausgemerzt wurde.
Am Samstag startet die Formel 1 in Australien – aber ohne die Grid Girls. Diese Tatsache stößt nicht nur den Fans sauer auf. Auch Fahrer äußern Unverständnis.
„Wir sind vorne dabei, und es ist ja nicht so, dass unser Auto eine Katastrophe wäre. Wir müssen es nur ein bisschen feintunen und hinbekommen, dass es leichter zu fahren ist“, hofft Hamilton auf eine Besserung in Barcelona.
Barcelona als Piste der Wahrheit
Der Circuit de Barcelona-Catalunya gilt nicht umsonst als Piste der Wahrheit. Noch immer gilt die Grundregel: Wer dort schnell ist, ist auch für die restliche Saison gerüstet. „Barcelona ist ein sehr guter Gradmesser, um zu zeigen, wo wir wirklich stehen“, glaubt auch Vettel.
Entscheidend für Mercedes wird sein, dass sie die Reifen diesmal ins Temperaturfenster kriegen. Denn die Empfindlichkeit des Autos in Bezug auf das Reifenfester ist 2018 noch extremer geworden.
Mit seinem siebten WM-Titel schließt Lewis Hamilton zu Ferrari-Legende Michael Schumacher auf. Der Mercedes-Pilot bricht im Jahr 2020 zahlreiche Rekorde und lässt sich auch von den Auswirkungen des Coronavirus' nicht beirren.
Bereits ein Anstieg oder Abfall von wenigen Grad kann dafür sorgen, dass die Reifen aus dem Fenster fallen und die Balance des Autos flöten geht. Bei dem engen Duell mit Ferrari kann sich Mercedes das nicht mehr leisten.
Hamilton kämpft mit Aufwärmen der Reifen
Besonders das Aufwärmen der Reifen bereitet Hamilton und Teamkollege Valtteri Bottas große Probleme. Das erklärt auch, weshalb Vettel bereits in der ersten Runde in Baku fast drei Sekunden Vorsprung auf Hamilton herausfahren konnte.
In Barcelona könnten die warmen – aber nicht zu heißen Temperaturen – Mercedes dabei helfen. Zumal man bereits bei den Wintertests dort den Konkurrenten davon fuhr.
Ex-Rennfahrer und F1-Experte Alexander Wurz ist sich deshalb beim ORF sicher: „Dort werden sie allen eine drüberzünden! Normale Rennstrecken, wo es heißer ist und man mehr die Hinterachse schonen muss: Das glaube ich, wird Mercedes-Territorium werden.“