Rio de Janeiro – Lionel Messi schlich traurig von dannen, daran konnten auch die Worte seines Trainers Alejandro Sabella nichts ändern.
Der hatte die Frage nach der körperlichen Befindlichkeit seines Einzelkönners gleich einmal zu einer grundsätzlichen Einordnung genutzt.
„Messi ist physisch im Olymp, und er ist auch sonst ganz oben, bei den ganz Großen“, sagte Sabella.
Der Größte aber, jedenfalls aus Sicht seiner Landsleute und gemessen am Titelgewinn, bleibt Diego Armando Maradona.
Da halfen auch Sabellas gut gemeinte Worte nichts, der Messis Ehrung als bester Turnierspieler als „verdient“ bezeichnete.
„Er hat eine große WM gespielt, er war ein fundamentaler Faktor für das, was wir erreicht haben“, sagte der 59-Jährige.
Es klang irgendwie so schmucklos, wie sich diese WM für Messi nun anfühlen muss.
Zweiter ist er mit Argentinien geworden, nach diesem 0:1 im Finalkrimi über 120 Minuten gegen Deutschland.
Immerhin ein paar Worte hat sich der 27-Jährige danach abgerungen, angesprochen auf den Trostpreis, den Goldenen Ball.
„In diesem Moment ist mir dieser Preis egal“, sagte Argentiniens kleiner Wunderknabe, „es zählt nur, die Trophäe hochzuheben.“
Und Messi musste noch damit klarkommen, dass Maradona die FIFA für jene Auszeichnung als Spieler des Turniers angriff, für die er selbst ja gar nichts konnte.
„Wenn diese Marktschreier wollen, dass er etwas gewinnt, was er eigentlich nicht verdient hat, ist es ungerecht“, sagte der Weltmeister von 1986 zur Entscheidung der Technical Study Group der FIFA.
Dabei hätte es Messis großer Tag werden können. In der 41. Minute hatte er bereits den Ball an Keeper Manuel Neuer vorbeigelegt, als Jerome Boateng in höchster Not noch klärte.
Und kurz nach der Pause zischte sein Schuss haarscharf am Tor vorbei. Doch in der Folge ließ der Dribbelkönig nach. Das lag womöglich auch daran, dass er angeschlagen war. Bereits in der ersten Hälfte hatte er sich an den Oberschenkel gefasst.
Auch sonst schien Messi körperlich nicht ganz auf der Höhe zu sein. Mehrfach musste Argentiniens Nummer 10 sichtlich würgen und schien sich – wie in der Vergangenheit schon des Öfteren – auf dem Platz fast zu übergeben.
So blieb Messi der magische Moment versagt, um endlich mit dem argentinischen Fußballheiligen Maradona auf einer Stufe zu stehen.
Als Wiedergänger hat es Messi zwar wie das inzwischen 53 Jahre alte Kickeridol seiner Heimat 1986 zum besten Turnierspieler gebracht. Doch Maradona gewann vor 28 Jahren eben auch den WM-Titel.
„Wir hätten mehr verdient gehabt nach diesem Spiel. Es tut weh, wie wir verloren haben. Wir waren dem Elfmeterschießen nahe, aber das ist Geschichte“, sagte Messi noch.
Die Argentinier müssen nun hoffen, dass sie in der Ära ihres Wunderknaben noch eine Chance auf den dritten WM-Titel des Landes erhalten.
27 Jahre alt ist Messi während des Turniers in Brasilien geworden, 2018 in Russland wird er seinen 31. Geburtstag begehen. Für einen Fußballer ist das ein reifes Alter und immer häufiger eines, in dem der Zenit bereits überschritten ist.
Das gilt auch für manche Kollegen, allen voran für den 30 Jahre alten Javier Mascherano, den kämpferischen Kopf der Mannschaft. Von großem Schweigen in der Kabine berichtete Sabella, er bezeichnete es als „die Ruhe des Kriegers“ nach einem verlorenen Kampf.
Dennoch sei er stolz auf seine Mannschaft, die er nach allem, was bisher zu vernehmen war, wohl abgeben wird.
„Sie haben eine fantastische WM gespielt, sie haben alles gegeben, auch über den Schmerz hinaus“, sagte Sabella, ohne auf seine Zukunft eingehen zu wollen.
„Auch ein Finale zu verlieren, ist ein Schmerz, aber die Spieler können sich alle in die Augen schauen“, erklärte Argentiniens Trainer: „Es muss auch eine Bewertung über den Schmerz hinaus geben. Sie haben den zweiten Platz gewonnen.“
Wahrnehmen konnten seine Spieler das so nicht. Vor allem nicht Messi, Maradonas ungekrönter Wiedergänger.