Was haben sich die New England Patriots dabei gedacht? Es war die Frage, die sich beim NFL Draft am Wochenende viele Experten gestellt haben.

Der sechsmalige Super-Bowl-Champion überraschte die Fachwelt bei der Spieler-Auswahl in Las Vegas mit diversen eigenwillig anmutenden Picks – die nicht zum ersten Mal Rätsel aufgaben, welchen strategischen Sinn die sportlichen Verantwortlichen um Trainer-Guru Bill Belichick darin sehen. (SERVICE: NFL-Wissen – die wichtigsten Begriffe im Football)

Die Erfahrung lehrt allerdings: Man sollte nicht davon ausgehen, dass der langjährige Mentor von Superstar Tom Brady seine Auswahl auf gut Glück trifft. SPORT1 zeichnet das kurios anmutende Draft-Wochenende der „Pats“ nach – und erklärt, welcher dahinter zu stecken scheint.

Patriots überraschen mit Erstrundenpick Strange

In der ersten Runde gaben die Patriots ihren 21. Pick ab und erhielten von den Kansas City Chiefs die Picks 29, 94 und 121. (SERVICE: NFL-Wissen – die wichtigsten Regeln im Football)

Das Team um Star-Quarterback Patrick Mahomes holte sich Cornerback Trent McDuffie – einen Spieler, der den Patriots auch gut zu Gesicht gestanden hätte. Schließlich verloren sie in der Free Agency ihren besten Passverteidiger J.C. Jackson an die Los Angeles Chargers. (NFL-Transfers – die größten Trades und heißesten Gerüchte im TICKER)

Stattdessen holte sich die Franchise aus Boston lieber einen Offensive Lineman. Die Wahl fiel auf Cole Strange vom Chattanooga College in Tennessee – der höchste Pick der Uni-Geschichte. (SERVICE: NFL-Wissen – die Positionen im Football)

Ein überraschender Schwachzug, denn Strange wäre wohl auch zum Zeitpunkt ihres Zweitrundenpicks noch verfügbar gewesen. Für zusätzlichen Wirbel sorgte, dass Super-Bowl-Coach Sean McVay von den Los Angeles Rams den seltsamen Pick des Mannes mit dem passenden Namen lachend registrierte.

Patriots mit überraschendem Trade nach oben

Auch an Tag zwei unterlief die Franchise aus Boston die Erwartungen: In der zweiten Runde ging sie vier Positionen nach oben, um sich Wide Receiver Tyquan Thornton von der Baylor University zu holen. Der Speedster sorgte unlängst beim NFL Combine für Furore. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur NFL)

Ins Risiko gingen die Patriots auch mit ihrem dritten Pick. Die Wahl fiel auf Houstons Marcus Jones, der ebenfalls über enorm viel Speed verfügt.

Sein Problem: Mit 1,76 Meter ist er relativ klein für seine Position und dürfte es somit gegen größere Receiver schwer haben.

Patriots holen Quarterback und zwei Running Backs

Für Erstaunen sorgten die Patriots dann auch am letzten Tag in Vegas. So holten sie im vierten Durchgang Quarterback Bailey Zappe von Western Kentucky, der spielerisch eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrem etatmäßigen Spielmacher Mac Jones aufweist – eine wirkliche Herausforderung für diesen dürfte er nicht sein.

Zudem wurden mit Pierre Strong Jr. und Kevin Harris noch zwei Running Backs geholt, obwohl sie in Damien Harris, Rhamondre Stevenson und James White eigentlich drei fähige Spieler auf der Position haben.

Möglicherweise sind die Picks aber schon ein Vorgriff auf das nächste Jahr, denn die Verträge von Harris und J.J. Taylor laufen 2023 aus.

Welche Strategie verfolgen die Patriots?

Auffälliges Muster bei der Personalauswahl: Die Patriots haben vor allem Wert auf Geschwindigkeit gelegt – eine Qualität, die Belichick im Kader offensichtlich noch nicht ausreichend vorhanden sah. So holten sie mit Thornton nicht nur den schnellsten Wide Receiver des NFL Combine, sondern mit Strong Jr. auch den schnellsten Running Back. Über viel Tempo verfügen auch die kleinen Cornerbacks Marcus Jones und Jack Jones.

Bei Strong, den viele nicht so hoch eingeschätzt haben, wurde im Anschluss häufig der Name Logan Mankins als Vergleich angeführt. Die langjährige Säule in der Offensive Line der Patriots wurde auch überraschend früh gezogen, aber war acht Jahre lang Starter.

Selbiges werden sich die Verantwortlich nun auch von dem 24-Jährigen erhoffen, der in die Fußstapfen von Shaq Mason treten soll.

McVay hat mittlerweile übrigens klargemacht, dass sein Lachen beim Pick von Strange nicht auf die Wahl gemünzt war, sondern aus der Situation heraus entstanden war: „Wenn es irgendjemanden gibt, der mehr Respekt vor Bill Belichick hat als ich, würde ich diese Person gerne sehen“, erklärte sich der 36-Jährige.

So oder so: Gut möglich, dass sich das Patriots-Puzzle einmal mehr zu einem Bild zusammenfügt, über das es nichts zu lachen gibt.

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