Der schwedische Stabhochsprung-Gigant Armand Duplantis hat erstmals nach fast drei Jahren und 40 Siegen in Serie einen Wettkampf nicht gewonnen – und das ausgerechnet vor heimischem Publikum. Der Weltrekordler (6,31) musste sich beim Diamond-League-Meeting in Stockholm mit für ihn indiskutablen 5,80 m dem Australier Kurtis Marschall (5,90) geschlagen geben und wurde Zweiter.
„Ich bin wirklich armselig gesprungen. Das kann ich mir einfach nicht leisten. Das fühlt sich jetzt wirklich beschissen an“, sagte Duplantis in der ARD: „Ehrlich? So kann ich bei den nächsten Wettkämpfen zuhause bleiben.“
Weltmeister und Olympiasieger Duplantis wirkte nicht frisch und leistete sich bereits bei seiner Einstiegshöhe von 5,60 m einen Fehlversuch. Schließlich riss er zweimal bei 6,00 und war auch bei seinem aufgesparten letzten Versuch über 6,05 m nicht erfolgreich. Zuletzt hatte der 26 Jahre alte Ausnahmekönner im Juli 2023 in Brüssel (Platz vier) nicht gesiegt.
Für die Glanzleistung aus deutscher Sicht sorgte Emil Agyekum über 400 m Hürden. Der WM-Finalist von Tokio lief in 47,72 Sekunden auf Platz drei und verbesserte seine Bestleistung um elf Hundertstel. In der deutschen Bestenliste liegt vor dem Berliner nur der große Harald Schmid, dessen deutscher Rekord seit fast 44 Jahren bei 47,48 steht. Sieger in Stockholm wurde Brasiliens Ex-Weltmeister Alison dos Santos in 47,11 Sekunden.
Das internationale Highlight ging auf das Konto der Schweizerin Audrey Werro. Die Hallen-Vizeweltmeisterin lief über 800 m in 1:53,98 Minuten die weltweit beste Zeit seit 43 Jahren. Nur die Tschechin Jarmila Kratochvilova (1:53,28/1983) und Sowjet-Läuferin Nadeschda Olisarenko (1:53,43/1980) waren jemals schneller.
Noch weit unter ihrem Bestniveau agierte Tokio-Olympiasiegerin Malaika Mihambo. Bei ihrem Saisondebüt in der Diamond League kam die 32-Jährige beim Sieg der Französin Hilary Kpatcha (6,85) mit mäßigen 6,70 m auf Platz fünf. Auch für Paris-Olympiasiegerin Yemisi Mabry läuft es noch nicht rund. Die Kugelstoßerin wurde mit unbefriedigenden 18,79 m Fünfte, Siegerin Jessica Schilder (Niederlande) untermauerte mit 20,89 m ihre Favoritenrolle für die EM in Birmingham im August.
Starke Fünfte wurde die frühere Vize-Europameisterin Lea Mayer über 3000 m Hindernis in guten 9:13,67 Minuten beim klaren Sieg der Marokkanerin Marwa Bouzayani (8:59,28). Im Männerrennen kam der deutsche Meister Karl Bebendorf in 8:14,13 Minuten auf Platz sieben. Es siegte wie eine Woche zuvor beim Heimspiel in Rabat Olympiasieger Soufiane El Bakkali (8:10,40). Frederik Ruppert, der in Rabat als Zweiter sensationell Europarekord (7:57,80) gelaufen war, hatte auf den Start in Stockholm verzichtet.
Teuer verkaufte sich Robert Farken über 1500 m als Achter in 3:32,99 Minuten. Im Diskuswerfen kam Marike Steinacker beim Erfolg der Olympiasiegerin Valarie Sion (USA/68,60) mit 62,13 m auf Platz fünf, die dreimalige EM-Dritte Shanice Craft wurde Siebte (61,88).