Hansi Flick will All-in gehen!

Das verkündete der neue Bundestrainer 42 Tage nach dem Aus im EM-Achtelfinale in Wembley am Dienstag auf seiner Antritts-Pressekonferenz in Frankfurt. “Es ist wichtig, dass wir alle eine All-in-Mentalität bekommen”, sagte der Erfolgscoach und erzeugte damit Aufbruchsstimmung. Denn um im Bild zu bleiben: Flick fordert fortan von allen Spielern und Mitarbeitern, dass sie alles reinhauen, um das Gefühl zu haben, gewinnen zu können.

Mit anderen Worten: Wer keine 100 Prozent gibt, hat beim DFB nichts mehr verloren. Denn Flick will mit der Nationalmannschaft wieder zurück in die Weltspitze.

Heute fand die erste offizielle Pressekonferenz von Hansi Flick als Bundestrainer statt. SPORT1 Chefreporter Florian Plettenberg berichtet.

Heute fand die erste offizielle Pressekonferenz von Hansi Flick als Bundestrainer statt. SPORT1 Chefreporter Florian Plettenberg berichtet.

Auf dem Weg dahin wird der Ex-Bayern-Coach vorerst auf große Experimente verzichten – vor allem personell. “Die besten müssen für Deutschland spielen!”, stellt der 56-Jährige klar. Unter ihm gilt das Leistungsprinzip. Das Alter spielt keine Rolle, jedoch will er kontinuierlich auch junge Spieler wie Florian Wirtz oder Jamal Musiala an die A-Elf heranführen.

Am 26. August wird der frühere Bayern-Coach seinen Kader für die WM-Quali-Spiele gegen Liechtenstein, Armenien und Island nominieren.

SPORT1 sagt, welche Spieler sich nach seiner Leistungs-Ansage nun wieder Hoffnung auf ein DFB-Comeback machen können.

Jérôme Boateng (30/vereinslos/76 Länderspiele):

Joachim Löw berücksichtigte Boateng nicht für die EM, rief den Abwehr-Star nicht mal an, obwohl dieser unter Flick Stammspieler war. Flick ist ein großer Fan des Weltmeisters von 2014. Zurzeit ist Boateng allerdings auf Vereinssuche. Er muss erst einen Top-Verein finden und seine Leistungen bestätigen, damit er Comeback-Chancen hat.

Mario Götze (29/PSV Eindhoven/63 Länderspiele):

In Holland findet Götze allmählich zu alter Stärke zurück. Der Weltmeister-Torschütze von 2014 hat in den ersten drei Pflichtspielen für Eindhoven drei Tore erzielt und einen Assist gegeben. “Ich bin froh, dass er bei Eindhoven wieder in die Spur gekommen ist. Er schießt Tore und ist wichtig für die Mannschaft”, sagt Flick. Ganz klar: Er hat den Ex-Münchner auf dem Zettel.

Julian Draxler (27/Paris Saint-Germain/56 Länderspiele):

Das EM-Aus hat Draxler im Urlaub verdaut, überraschend verlängerte er zuvor in Paris, wo er lange Zeit nicht über den Status des Ergänzungsspielers herauskam. Doch der Ex-Schalker will es nochmal allen beweisen, stand im ersten Ligaspiel in Troyes (2:1) auch in der Startelf. Kann er sich Star-Ensemble um Mega-Neuzugang Lionel Messi behaupten, wird Flick nicht an ihm vorbeikommen.

Marco Reus (32/Borussia Dortmund/44 Länderspiele):

Vom BVB-Kapitän schwärmte Flick in höchsten Tönen. Reus sei “einer der besten Spieler im letzten Drittel”. Was Flick am Ur-Dortmunder besonders imponiert: Mit seiner Cleverness und Coolness kann Reus durch Dribblings oder tödliche Pässe die gegnerische Abwehr “aufreißen”. Bedingung für ein DFB-Comeback: Reus muss topfit sein! Die EM-Pause tat dem Angreifer sichtlich gut. Reus, der immer wieder von Verletzungen geplagt war, verzichtete auf das Turnier und machte die komplette BVB-Vorbereitung mit. Knüpft er an seine Form aus der Rückrunde der vergangenen Saison an, wird Flick ihn wieder nominieren.

Julian Brandt (25/Borussia Dortmund/35 Länderspiele):

Löw forderte in den letzten Monaten seiner Amtszeit den nächsten Schritt von Brandt. Dieser blieb aber aus, weshalb er nicht für die EM nominiert wurde. Beim BVB konnte der 25-Millionen-Mann bislang nicht richtig überzeugen. Er muss sich erst bei Rose durchsetzen, damit er unter Flick eine Chance hat. Zudem hat der Bundestrainer auf der Brandt-Position die Qual der Wahl. Für ihn wird es vorerst schwer bleiben.

Jonathan Tah (25/ Bayer Leverkusen/13 Länderspiele):

Der Durchbruch beim DFB blieb ihm bisher verwehrt. In Leverkusen stabilisierte er sich zuletzt ist aber nicht mehr unangefochtener Stammspieler. Für ihn wird es schwer.

Thilo Kehrer (24/Paris Saint-Germain/9 Länderspiele):

Für den Defensiv-Allrounder gilt das Gleiche wie für Draxler. Kann er sich in Paris einen Stammplatz erkämpfen, dürfte ihm Flick eine Chance geben, zumal er in der Vierer- und Dreierkette nahezu jede Position spielen kann. Vor allem auf rechts kann er sich Hoffnungen machen, da Flick auf der Rechtsverteidiger-Position kaum Alternativen hat. Nach SPORT1-Informationen plant Kehrer keine Flucht aus Paris.

Luca Waldschmidt (25/Benfica Lissabon/7 Länderspiele)

Der Ex-Freiburger legte im vergangenen Sommer nach seinem Wechsel zu Benfica stark los, ließ dann aber nach. Waldschmidts Trumpf: Er ist einer der wenigen “echten Neuner”. Flick wird ihm im Auge behalten und wissen, dass er am ersten Spieltag in Portugal geknipst hat.

Mahmoud Dahoud (25/Borussia Dortmund/2 Länderspiele):

Im Winter kam Dahoud zu zwei Einsätzen gegen die Türkei und Tschechien. Der Deutsch-Syrer ist heiß und will gerne mehr zeigen im DFB-Dress. Seinen BVB-Vertrag verlängerte der Mittelfeldspieler kürzlich um ein weiteres Jahr bis 2023. Flick betonte, dass er aktiv spielen wolle, die Initiative ergreifen und den Gegner früh unter Druck setzen möchte. Pferdelunge Dahoud ist ein Spieler, der das zweifelsohne kann. Aber: Auf seiner Position herrscht Mega-Konkurrenz.

Ridle Baku (23/VfL Wolfsburg/1 Länderspiel):

Gut möglich, dass ihm Flick bereits im September eine Chance gibt. Allerdings ist auch Baku kein klassischer Rechtsverteidiger. Sollte er sich diese Position jedoch zutrauen und Flick in ihm das dazu notwendige Potential sehen, kann Baku zum ersten großen Gewinner werden, denn auf rechts braucht Flick Optionen.

Weitere Spieler, die schon mal dabei waren und zuletzt nicht mehr berücksichtigt wurden, sind Nico Schulz, Philipp Max, Maximilian Arnold, Lars Stindl und Max Kruse.

Übrigens: Auf die 2014er Weltmeister Mats Hummels und Thomas Müller, die Vorgänger Löw nur für die EM zurückgeholt hatte, möchte Flick weiter setzen. “Wenn sie weiter Topleistungen abrufen, sind sie Teil der Mannschaft.” Toni Kroos ist zudem der einzige Spieler, der nach der EM zurückgetreten ist. Flick beteuerte, dass aktuell kein anderer Star an einen Abschied denkt.

Scheint, als wären alle heiß, mit dem neuen Bundestrainer All-In zu gehen.