Eine Finalkarte für über zwei Millionen US-Dollar? Die Ticketpolitik der FIFA für die Fußball-WM im Sommer führt inzwischen zu unvorstellbaren Preisen. Auf der offiziellen Weiterverkaufsplattform des Weltverbandes wurden am Donnerstagabend drei Tickets für das Finale für jeweils knapp 2,3 Millionen US-Dollar angeboten. Die Plätze für das Spiel am 19. Juli im MetLife Stadium in New Jersey befinden sich hinter einem Tor im Unterrang.

Neben dem regulären Verkauf bietet die FIFA eine Plattform an, auf der erworbene Karten weiterverkauft werden können – ohne Regulierung durch den Weltverband. Der Verkäufer legt den Preis fest. Das führt zu teils horrenden Summen. Die FIFA profitiert doppelt: Sie kassiert 15 Prozent Gebühr – sowohl vom Verkäufer als auch vom Käufer. Sollte eines der angeführten Finaltickets verkauft werden, erhielte der Weltverband also 690.000 US-Dollar. Viele weitere Angebote für das Endspiel liegen dazu deutlich über 100.000 US-Dollar.

Verbraucherschützer und Fans in Europa legten wegen des Ticketverkaufs der FIFA Ende März eine Beschwerde bei der EU-Kommission ein. Kürzlich sorgte der Weltverband durch die Einführung einer Ticket-Premiumkategorie („Front Category 1“) abermals für Aufsehen. Kartenkäufer warfen der FIFA unter anderem vor, durch die Stadionpläne in die Irre geführt worden zu sein.

Unabhängig davon unterstrich Präsident Bernd Neuendorf die Kritik des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an der Preispolitik der FIFA. „Die Ticketpreise sind sehr, sehr hoch. Das ist auch nichts, was wir begrüßen“, sagte der 64-Jährige, der Mitglied im Council des Weltverbandes ist, dem SID am Rande einer Veranstaltung in Köln. Der DFB habe bei der Heim-EM 2024 „gezeigt, dass es auch anders geht“.

Neuendorf glaubt aber dennoch, dass die Stadien bei dem Turnier in den USA, Mexiko und Kanada (ab 11. Juni) „überall“ ausverkauft sein werden. Es gebe „eine große Verärgerung“ in Teilen der Fanszene. „Und trotzdem – aus welchen Ländern kommen die meisten Bestellungen? Aus den Ausrichterländern Mexiko, Kanada, USA, aber an vierter Stelle war schon Deutschland und an fünfter England. Das heißt, die Begeisterung auch hierzulande ist schon hoch“, sagte der DFB-Chef.