Aus Brasilien berichtet Martina Farmbauer

Rio de Janeiro – Esel haben ihn die Fans genannt, als Brasiliens Selecao nach dem 1:2 gegen die Niederlande ins Hotel zurückkehrte. Es schmerzt Carlos Dunga heute noch.

Der Vorfall liegt jetzt vier Jahre zurück. Die Niederlage bedeutete das Aus im Viertelfinale bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Zehn Stunden später entließ der Brasilianische Fußballverband (CBF) Dunga als Nationaltrainer.

Jetzt ist der einstige Kapitän der Weltmeisterschaft-Mannschaft von 1994 wieder im Amt.

Wiederaufbau nach dem WM-Schock

Von 1993 bis 1995 spielte er in der Bundesliga beim VfB Stuttgart und gilt als ehemaliger Defensivspezialist als Symbol für Kraft- und Ergebnisfußball.

In seiner zweiten Amtszeit muss Dunga aber auch das Bedürfnis der Brasilianer nach schönem Fußball befriedigen – und die Selecao nach dem bitteren Halbfinal-Aus bei der Heim-WM wieder aufbauen.

Bei der Pressekonferenz in Rio de Janeiro, auf der er als neuer, alter Nationaltrainer präsentiert wird, ist der 51-Jährige kommunikativ und schwärmt im Gespräch von der deutschen Nationalmannschaft.

Frage: Herr Dunga, sehen Sie es als Anerkennung Ihrer vorherigen Arbeit, dass der brasilianische Fußballverband Sie noch einmal zum Nationaltrainer berufen hat?

Carlos Dunga: Dass die Wahl darauf fiel, dass ich zurückkehre, hat sicher zu einem Teil mit den Ergebnissen zu tun (Dunga gewann mit der Selecao 2007 die Copa America und 2009 den Confederations Cup, Anm. d. Red.), aber auch mit der Anerkennung von Präsident Marin.

Frage: Medien und Fans haben auch Kritik geübt.

Dunga: Eine Sache ist die Kommunikation mit den Medien, eine andere die unter den Personen, die jeden Tag miteinander arbeiten. Informationen für die Medien sind wichtig, aber auch der Kontrapunkt der internen Kommunikation.

Frage: Sie haben viele Lobeshymen auf Deutschland gehalten. Was hat Ihnen an der deutschen Mannschaft besonders gefallen?

Dunga: Es kommt mir so vor, als ob die Welt Deutschland erst jetzt entdeckt hat.

Frage: Inwiefern?

Dunga: Deutschland war fast immer organisiert. Es gab fast immer Planung. Darüber zu sprechen, dass Deutschland überall Nachwuchszentren hat – also für mich, der in Deutschland gelebt hat, gab es die fast immer. Deutschland hat fast immer Wert auf den Sport gelegt, nicht nur auf den Fußball, auf die Ausbildung der Athleten, der Menschen, das Miteinander. Und jetzt denken viele, dass Deutschland das in den vergangenen beiden Jahren gemacht hätte.

SPORT1-Reporterin Martina Farmbauer traf Carlos Dunga schon bei der WM in Brasilien

Frage: Was davon wünschen Sie sich für Brasilien?

Dunga: Deutschland hat eine Generation mit super Spielern entdeckt, wie es sie auch schon in der Vergangenheit gegeben hat und zu der einige erfahrene Akteure hinzukamen. Es hat sich die Zeit genommen, Planungsarbeit zu machen. Und als es nicht die Ergebnisse gegeben hat, dennoch verstanden, dass derjenige, der am Ruder ist, einen guten Job macht.

Frage: Das wünscht sich fast jeder Trainer.

Dunga: Die Voraussetzungen waren gut und am Ende war Deutschland der große Sieger der WM. Deutschland steht wieder für modernen Fußball. Mit einem Torwart-Libero, der viel vom Futsal hat, und Spielern, die dazu fähig sind, diese Form des Fußballs zu realisieren.

Frage: Haben Sie auch die typisch deutsche Planung entdeckt?

Dunga: Klose ist für mich das beste Beispiel. Die Deutschen haben verstanden, dass Klose ein gewisses Alter hat und seine Energie nicht in einem Spiel verschwendet, das schon entschieden ist. Dass es viel besser war, Klose die ganze Zeit über spielen zu lassen in Partien, die viel wichtiger waren für Deutschland und seinen Rekord an zweiter Stelle zu lassen. Diese Strategie zeugt von der fußballerischen Intelligenz des Spielers und des Trainers.

Frage: Manchmal verstehen das Außenstehende nicht allzu sehr.

Dunga: Aber daher kommen die Verdienste, jenseits von Planung, Engagement und Arbeit. Ein Spieler muss Spielintelligenz haben, das Spiel lesen können. Ein schneller Verteidiger muss sich frühzeitig positionieren und nicht hinter dem Angreifer herlaufen. Die Deutschen hatten bei der vergangenen WM sehr viel davon.