EIER: Wie seit einem emotionalen Ausbruch von Oliver Kahn jeder weiß, kommt es beim Fußball auch auf das an, was nicht nur die Spanier „cojones“ nennen. Mit „Eier, wie brauchen Eier“, bereicherte Kahn die Sammlung deutscher Standardzitate. Die Belgier haben nun nicht danach gerufen, aber nach einem hyperdramatischen 3:2 nach Verlängerung gegen Senegal stellte „Big Rom“ Romelu Lukaku treffend fest: „Wir haben Kampfgeist gezeigt, wir hatten wirklich Eier. Die braucht man für so ein Spiel“, sagte er. Fünf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit hatten die bis dahin wirklich alt aussehenden „alten Männer“ aus Belgien noch 0:2 zurückgelegen – dann gelang ihnen innerhalb von 238 Sekunden der Ausgleich. Der Siegtreffer, der späteste der WM-Geschichte, fiel weit in der Nachspielzeit der Verlängerung per Foulelfmeter.

EMOTIONEN: Wenn man so will, dann hatten auch die Amerikaner jede Menge „cojones“. 1:0 lagen sie vorne gegen Bosnien-Herzegowina, dann flog ihr Torschütze Folarin Balogun (45.) vom Platz – nach einem ebenso unbeabsichtigten wie unglücklich Tritt (64.). Das US-Team: Stand etwas tiefer, aber es igelte sich mitnichten ein. Und erzielte noch einen zweiten Treffer – durch einen wunderschönen Freistoß des gebürtigen Nürnbergers Malik Tillman, nach dem sie sich bei Bayer Leverkusen womöglich fragen: Wieso macht er das bei uns nicht?

ECHT JETZT?: Nach der nächsten Meisterleistung seines Kapitäns Harry Kane blieb Thomas Tuchel verblüfft zurück. „Diese großen Spieler bei der Weltmeisterschaft – schauen die sich gegenseitig an und denken dann: ‚Nein, nicht mit mir. Und dann treffe ich und mache einen Hattrick?‘ Was geht da eigentlich ab? Das ist verrückt“, sagte Englands Nationaltrainer nach dem 2:1 im Sechzehntelfinale gegen die Demokratische Republik Kongo. Kane hatte die Partie nach Rückstand per Doppelpack gedreht, es waren seine Turniertore vier und fünf. Damit steht er in einer Reihe mit den übrigen Superstars Kylian Mbappé (Frankreich/6), Lionel Messi (Argentinien/6) und Erling Haaland (Norwegen/5), die den Wettbewerb bislang dominieren. „Das sind alles Haie. Wenn sie Blut wittern, kommen sie und treffen“, sagte Tuchel.

EHRLICHKEIT: Nach dem Aus des DFB-Teams ist Ralf Rangnick einer von nur noch drei Deutschen bei der Fußball-WM – sieht darin aber keine zusätzliche Motivation. „Mich interessiert nicht, ob ich jetzt als Deutscher hier weiterkomme. Mich interessiert, ob wir als Österreich weiterkommen, ob diese Mannschaft nochmal die Chance hat, diese Reise weiterzugehen“, sagte der ÖFB-Teamchef vor dem schweren Sechzehntelfinale am Donnerstag (21.00 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) gegen Europameister Spanien. Neben Rangnick sind aus „deutscher Sicht“ auch Englands Coach Thomas Tuchel und Schiedsrichter Felix Zwayer noch im Turnier.

EINHEIT: Nur der Form halber sei erwähnt: Die drei WM-Gastgeber USA, Mexiko und Kanada stehen geschlossen im Achtelfinale. Ihre nächsten Gegner: Belgien (USA), England (Mexiko) und Marokko (Kanada).