Als das Schweizer WM-Märchen mit dem Einzug ins Viertelfinale seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte, hielt es Granit Xhaka nicht mehr auf den Beinen. Der Kapitän sank zu Boden und weinte hemmungslos. „Wir haben Geschichte geschrieben, und das ist ein unglaubliches Gefühl“, sagte Xhaka im Schweizer Fernsehen, als er sich wieder berappelt hatte. Der 4:3-Sieg gegen Kolumbien im Elfmeter-Krimi von Vancouver hatte nicht nur ihn in einen emotionalen Ausnahmezustand befördert.

„Oft wirkt er nach außen kühl, aber heute hat er auch seine sanfte Seite gezeigt“, sagte Nationaltrainer Murat Yakin und bezeichnete Xhakas Leistung als „großartig. Er hat gelitten, gekämpft und war bis zur letzten Minute wichtig. Außerdem hat er Verantwortung übernommen als Elfmeterschütze.“

Das Boulevardblatt Blick titelte nach dem ersten Einzug unter die letzten acht einer WM seit 72 Jahren: „Historisch“. Und während der Tagesanzeiger die große Turnier-Überraschung mit dem Wort „Wow!“ überschrieb, träumten einige Spieler im Überschwang der Gefühle schon vom ganzen großen Wurf. „Ich glaube, es ist noch zu früh, vom WM-Titel zu reden. Aber er ist nicht weit weg“, sagte Manuel Akanji: „Jede Nation nimmt am Turnier teil, um es zu gewinnen. Wir sind nicht froh, wenn wir Zweiter werden. Wir geben alles. Wir wollen den Titel holen. Aber wir wissen, es sind noch schwierige Hürden vor uns.“

Die nächste könnte höher kaum sein, reist die „Nati“ doch jetzt weiter nach Kansas City, wo mit Argentinien und Superstar Lionel Messi in der Nacht zu Sonntag (3.00 Uhr MESZ) der Titelverteidiger wartet. „Ziel Nummer eins ist jetzt erreicht worden von uns. Aber wenn du im Viertelfinale stehst, ist der Hunger größer als jemals zuvor“, betonte Xhaka. Die Südamerikaner seien „der Riesenbrocken mit einem der besten Spieler des Planeten – wenn nicht der Geschichte. Wir genießen das Spiel und werden sicher bereit sein.“

Luft nach oben gibt es noch im Angriffsspiel. Gegen Kolumbien schossen die Schweizer über die gesamten 120 Minuten nur zwei Mal aufs gegnerische Tor. Es reichte dennoch. „Der Wille hat gewonnen“, so Xhaka. Vor allem defensiv habe man „sehr, sehr gut gestanden. Wir haben zwar nicht so viel kreiert, aber das war ein typisches K.o.-Spiel.“